Übungsbogen 6: Navigation, Seerecht, Seemannschaft und Wetter – Dein Wissen auf See
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren spannenden Folge unseres SKS-Hörbuches! Stell dir vor, du bist der Kapitän deines eigenen Schiffes, die Gischt spritzt dir ins Gesicht, der Wind pfeift in den Wanten. Du navigierst durch unbekannte Gewässer, triffst auf andere Schiffe, vielleicht sogar in der Dunkelheit. Solche Momente erfordern nicht nur seemännisches Können, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Regeln der See, die Technik an Bord und die Launen des Wetters. Heute tauchen wir gemeinsam in genau diese Themen ein, um dich optimal auf deine Prüfung vorzubereiten und dir das nötige Vertrauen für deine nächsten Abenteuer zu geben.
Dein unsichtbarer Wachmann und die kleinen Geheimnisse der Seekarte
Wir beginnen unsere Reise mit der Navigation, denn ohne zu wissen, wo wir sind und wohin wir wollen, ist jede Fahrt nur ein blindes Tasten. Stell dir vor, du segelst nachts durch eine vielbefahrene Schifffahrtsstraße, vielleicht die Elbmündung oder den Ärmelkanal. Um dich herum nur die Positionslichter anderer Schiffe, die wie kleine, bunte Sterne in der Dunkelheit tanzen. Doch auf deinem Plotter siehst du viel mehr: Namen, Kurse, Geschwindigkeiten, den genauen Typ und die Größe all dieser Schiffe in deiner Nähe. Das ist AIS, dein unsichtbarer Wachmann auf See. Jedes ausgerüstete Schiff sendet automatisch seine Daten, und du empfängst sie in Echtzeit.
Aber hier kommt der Haken: Du kannst dich nicht blind auf diese Anzeige verlassen. Wann kannst du dich auf die Verfügbarkeit und Anzeige von AIS-Signalen anderer Fahrzeuge verlassen? Nun, andere Fahrzeuge werden nur angezeigt, wenn sie auch senden. Das bedeutet, das Fahrzeug muss überhaupt mit AIS ausgerüstet sein. Und selbst dann darf der Kapitän es in bestimmten, zwingenden Gründen abschalten – was natürlich selten vorkommt, aber passieren kann. Außerdem muss das GPS des sendenden Schiffes aktiv sein, damit die Position korrekt übermittelt wird. Und schließlich, in sehr belebten Seegebieten, wo sich unzählige Schiffe tummeln, könnte es zu einem sogenannten "target overflow" kommen. Das bedeutet, dein System kann nicht alle Signale gleichzeitig verarbeiten und muss eventuell einige Fahrzeuge ausblenden. Es ist also ein fantastisches Hilfsmittel, aber wie bei allen technischen Systemen gilt: gesunder Menschenverstand und eine Prise Skepsis sind immer gute Begleiter.
Bleiben wir noch einen Moment bei der Seekarte, diesem unverzichtbaren Begleiter. Du hast eine detaillierte Karte vor dir, und da sind all diese kleinen Symbole, Linien und Zahlen. Manchmal sind dort auch schwimmende Schifffahrtszeichen eingezeichnet. Aber welche werden in der britischen List of Lights und in deutschen Leuchtfeuerverzeichnissen nicht angegeben? Das sind Tonnen, die kleiner als acht Meter Höhe sind. Warum? Weil sie oft nur lokale Bedeutung haben oder zu klein sind, um eine verlässliche und dauerhafte Eintragung in den großen Verzeichnissen zu rechtfertigen. Für Sportboote sind sie oft dennoch hilfreich, aber eben nicht offiziell verzeichnet. Es ist gut zu wissen, dass du nicht alles auf der Karte finden wirst, was dir auf dem Wasser begegnet.
Und apropos Lichter: Was ist eigentlich die "Tragweite" eines Feuers? Stell dir vor, du blickst in die Nacht hinaus und siehst ein Leuchtfeuer am Horizont aufblitzen. Die Tragweite ist genau der Abstand, in dem dieses Feuer einen eben noch deutlichen Lichteindruck in deinem Auge hervorruft. Es geht also darum, wie weit du das Licht unter normalen Umständen sehen kannst, nicht wie stark es strahlt. Das ist wichtig, um deine Position zu bestimmen und Gefahren zu erkennen.
Manchmal passieren Dinge auf See, die eine schnelle Reaktion erfordern. Bauarbeiten, neue Wracks, Verschiebungen von Fahrwassern. Dafür gibt es die Nachrichten für Seefahrer, kurz NfS. Aber es gibt auch spezielle Nachrichten: die sogenannten T-Nachrichten. Was sind T-Nachrichten? Das sind Nachrichten, die über einen zeitweiligen, also temporary, Zustand unterrichten. Sie haben eine begrenzte Geltungsdauer. Und wie verfährt man mit diesen Nachrichten im Berichtigungsverfahren? Das ist ein wichtiger Punkt: Wegen ihrer begrenzten Geltungsdauer werden keine Berichtigungen auf der Grundlage von T-Nachrichten vom BSH, also dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, oder den amtlichen Seekartenberichtigungsstellen durchgeführt. Das bedeutet, du als Nutzer musst vor Gebrauch jeder Seekarte die noch gültigen T-Nachrichten erfassen und sie selbst in deiner Karte vermerken. Das ist deine Verantwortung, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.
Das bringt uns auch zu den deutschen "Sportbootkarten". Was musst du bei deren Benutzung beachten? Diese Karten werden nach dem Druck weder vom BSH noch von den Seekartenvertriebsstellen berichtigt. Du musst sie also selbst nach dem Kauf und vor der Benutzung über die NfS auf den aktuellen Stand berichtigen. Es ist ein bisschen wie ein Buch, das nach dem Druck keine neuen Auflagen bekommt, aber du musst die Anmerkungen selbst eintragen. Sei also fleißig und überprüfe immer die aktuellen NfS, bevor du in See stichst!
Die Navigation wäre nichts ohne die richtige Peilung. Und dafür brauchen wir eine klare Vorstellung von Nord. Welche Nordrichtungen werden in der Navigation unterschieden? Da gibt es drei wichtige: Erstens, das rechtweisend Nord, kurz rwN. Das ist die Richtung eines Meridians zum geografischen Nordpol. Es ist die "wahre" Nordrichtung. Zweitens, das missweisend Nord, kurz mwN. Das ist die Richtung des erdmagnetischen Feldes zum magnetischen Nordpol. Diese Richtung ist abhängig vom Schiffsort und dem Datum, denn der Magnetpol wandert. In diese Richtung stellt sich eine ungestörte Magnetkompassnadel ein. Und drittens, das Magnetkompass-Nord, kurz MgN. Das ist die Richtung, in die die Kompassnadel an Bord tatsächlich zeigt, beeinflusst durch das schiffsmagnetische Feld. Dein Bordkompass zeigt also nicht unbedingt direkt zum magnetischen Nordpol, weil die Eisenteile und die Elektrik deines Schiffes ihn ein wenig ablenken können. Das ist die sogenannte Deviation, die du ausgleichen musst.
Auf See begegnest du auch besonderen Gebieten. Welche Sonderzeichen kennzeichnen Sperrgebiete? Das sind meist gelbe Fasstonnen, Leuchttonnen, Spierentonnen oder Stangen, die ein breites rotes Band tragen. Oft sind sie zusätzlich mit schwarzen Buchstaben beschriftet, zum Beispiel "Sperrgebiet" oder "Sperr-G". Wenn du so etwas siehst, weißt du: Hier ist die Durchfahrt verboten oder nur unter bestimmten Auflagen erlaubt. Respektiere diese Grenzen, denn sie dienen oft deiner eigenen Sicherheit oder dem Schutz sensibler Bereiche.
Manchmal siehst du auf einer Seekarte in Küstennähe eine Tiefenangabe wie "2 _ 3" mit einem Unterstrich. Was bedeutet das? Das ist eine wichtige Information: Der Ort der Zahl liegt 2,3 Meter über Kartennull und kann bei Ebbe trockenfallen. Der Unterstrich signalisiert dir also, dass dies keine Wassertiefe ist, sondern eine Höhe über dem Bezugsnullpunkt der Karte. Besonders bei Gezeitenrevieren musst du das im Auge behalten, sonst sitzt du schneller auf Grund, als dir lieb ist.
Und zum Schluss der Navigation: Stell dir vor, dein GPS zeigt dir deine Position an. Was bedeutet die Aussage: "Die Ortsgenauigkeit beträgt 100 Meter mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 %"? Das bedeutet, dass sich dein Schiff mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % in einem Fehlerkreis von 100 Metern Radius um den angezeigten Ort befindet. Oder anders ausgedrückt: Jede zwanzigste Ortsbestimmung, also 5 %, ist ungenauer als diese 100 Meter. Es ist ein Maß für die Zuverlässigkeit deiner Positionsbestimmung und zeigt dir, dass auch moderne Technik ihre Grenzen hat.
Die Regeln der Straße – oder besser, der See
Nachdem wir uns durch die navigatorischen Untiefen gearbeitet haben, wenden wir uns nun den Regeln zu, die ein sicheres Miteinander auf dem Wasser gewährleisten: dem Schifffahrtsrecht. Stell dir vor, du bist auf einer längeren Reise und musst Müll entsorgen. Welche Müllanteile dürfen in Sondergebieten nicht auf See entsorgt werden? Hier ist die Liste ziemlich lang und streng: Synthetische Seile, Netze, Segel, Kunststofftüten und Ähnliches, Papiererzeugnisse, Lumpen, Glas, Metall, Steingut, Schalungs- oder Verpackungsmaterial. Im Grunde genommen fast alles, was nicht biologisch abbaubar ist. Die Meere sind keine Müllhalden, und als verantwortungsbewusster Skipper trägst du Sorge dafür, dass sie sauber bleiben.
Nachts auf See sind Lichter deine Sprache. Du siehst ein Fahrzeug mit drei Lichtern senkrecht übereinander: rot-weiß-rot. Was bedeutet das? Dieses Fahrzeug ist manövrierbehindert. Aber die Lichterführung ist noch komplexer, je nachdem, ob es Fahrt durchs Wasser hat oder nicht, oder vor Anker liegt. Wenn es keine Fahrt durchs Wasser hat, siehst du nur die rot-weiß-rot Lichter senkrecht übereinander. Hat es Fahrt durchs Wasser, kommen noch die Lichter eines Maschinenfahrzeugs hinzu: also Topplichter, Seitenlichter und ein Hecklicht. Und liegt es vor Anker, siehst du zusätzlich zu den rot-weiß-rot Lichtern auch die Ankerlichter. Diese Lichterkombination ist ein deutliches Warnsignal: Hier ist Vorsicht geboten, dieses Fahrzeug kann nicht so einfach ausweichen.
Manchmal siehst du auch eine etwas ungewöhnlichere Lichterführung: rot über weiß über rot, alle senkrecht übereinander, und dazu noch ein grünes Licht in der Mitte des Schiffes. Worum handelt es sich hier? Das ist ein Treibnetzfischer, der in Fahrt ist oder vor Anker liegt und sein Fanggerät ausgebracht hat, das waagerecht weiter als 150 Meter ins Wasser reicht. Das untere weiße Licht kann dabei auch das Hecklicht sein. Und welches Schallsignal müsste dieses Fahrzeug bei unsichtigem Wetter geben? Es wäre ein Signal von lang-kurz-kurz, das mindestens alle zwei Minuten wiederholt wird. Auch hier gilt: Abstand halten und die Gefahr erkennen.
Die Küstenverkehrszonen sind besondere Bereiche, oft in der Nähe von Häfen oder stark befahrenen Küstenabschnitten. Welche Fahrzeuge dürfen die Küstenverkehrszone benutzen, ohne einen Hafen innerhalb dieser Zone anzusteuern? Das sind Fahrzeuge von weniger als 20 Metern Länge und Segelfahrzeuge. Für größere Schiffe oder motorisierte Fahrzeuge über 20 Meter ist die Durchfahrt ohne Hafenansteuerung in diesen Zonen in der Regel nicht erlaubt. Das dient der Sicherheit und der Entlastung der Küstenbereiche.
Und nun zu einem ganz grundlegenden Punkt: Wer darf laut Verordnung zu den KVR, den Kollisionsverhütungsregeln, ein Fahrzeug nicht führen oder als Mitglied der Crew eine andere Tätigkeit des Brücken- oder Decksdienstes nicht ausüben? Die Antwort ist klar: Wer infolge körperlicher oder geistiger Mängel oder des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel in der sicheren Führung eines Fahrzeugs oder in der sicheren Ausübung einer anderen Tätigkeit des Brücken- oder Decksdienstes behindert ist. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die aber immer wieder betont werden muss. Sicherheit geht vor, und dazu gehört, dass du als Skipper und deine Crew immer voll handlungsfähig seid.
Als Segler hast du oft Vorfahrt, aber nicht immer. Welchen Fahrzeugen muss ein Segelfahrzeug ausweichen? Du musst einem manövrierunfähigen Fahrzeug ausweichen, einem manövrierbehinderten Fahrzeug, einem fischenden Fahrzeug, und gegebenenfalls einem anderen Segelfahrzeug, abhängig von der Segelstellung in Bezug auf den Wind. Die Hierarchie ist klar: Diejenigen, die am wenigsten manövrierfähig sind, haben Vorfahrt. Merke dir diese Reihenfolge, sie ist entscheidend, um Kollisionen zu vermeiden.
Manchmal passieren Seeunfälle, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Welche Aufgaben hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, kurz BSU? Ihre Aufgabe ist die amtliche Untersuchung eines schaden- oder gefahrverursachenden Vorkommnisses, also eines Seeunfalls, im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Schiffes. Sie ermittelt die Umstände, durch die es zu dem Seeunfall gekommen ist, und gibt Untersuchungsberichte sowie insbesondere Sicherheitsempfehlungen zur Verhütung von Seeunfällen heraus. Es geht also nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, aus Fehlern zu lernen und die Sicherheit auf See zu erhöhen.
Deine Yacht – Aufbau, Wartung und Notfälle
Wir kommen zur Seemannschaft, dem praktischen Teil, der dein Schiff und deine Sicherheit betrifft. Stell dir vor, du streichst über den glatten Rumpf deiner Yacht. Was versteht man im Bootsbau unter Gelcoat? Das Gelcoat ist die äußere Schutzschicht eines Bauteils aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Es ist nicht nur die Farbe, die du siehst, sondern auch der Schutz vor UV-Strahlung, Osmose und kleineren Beschädigungen. Es ist wie die Haut deines Bootes, die gepflegt werden will.
Was, wenn der Ernstfall eintritt und du dein Schiff verlassen musst, um in ein Rettungsfloß zu steigen? Welche Maßnahmen triffst du, bevor du von deinem Fahrzeug in ein Rettungsfloß übersteigst? Zuerst legst du deine Rettungsweste und deinen Sicherheitsgurt an. Dann ziehst du wärmende Kleidung an. Wenn möglich, trinkst du vorher reichlich warme Flüssigkeit. Und ganz wichtig: Du bringst Proviant, Wasser, Seenotsignalmittel und gegebenenfalls Seenotfunkbake, Radartransponder und UKW-Handsprechfunkgeräte in das Rettungsfloß. Diese Vorbereitung kann über Leben und Tod entscheiden.
Große Schiffe reagieren ganz anders als dein kleines Segelboot. Wie reagiert ein großes Schiff, wenn bei etwa 20 Knoten Fahrt ein Ausweichmanöver durch Hartruderlage eingeleitet wird? Und nach welcher Distanz verlässt es in etwa die alte Kurslinie? Der Steven, also der Bug, bewegt sich zwar in Richtung der Hartruderlage, aber das Heck schlägt relativ weit zur entgegengesetzten Richtung aus. Das Schiff verlässt mit seinem Heck erst nach mehreren Schiffslängen seine bisherige Kurslinie. Es bewegt sich also zunächst in der alten Kursrichtung fort. Diese Strecke kann bei 300 Meter langen Containerschiffen anderthalb bis zweieinhalb Schiffslängen betragen, also etwa 500 bis 600 Meter. Das ist eine enorme Strecke und zeigt, wie viel Raum große Schiffe für Manöver benötigen. Halte immer ausreichend Abstand!
Ein Mastbruch ist der Albtraum jedes Seglers. Dein Mast ist gebrochen, und eine Bergung ist nicht möglich. Welche Werkzeuge benötigst du, um die Takelage zu kappen? Du brauchst einen Bolzenschneider, eine Metallsäge mit Ersatzblättern, Schraubenschlüssel und verschiedene Zangen. Das ist dein Notfall-Werkzeugkasten, um den Mast schnell vom Rumpf zu trennen und weitere Schäden zu verhindern.
Im Bootsbau und in der Stabilität deines Schiffes spielen zwei wichtige Punkte eine Rolle: der Formschwerpunkt und der Massenschwerpunkt. Was versteht man unter dem Formschwerpunkt, kurz F, und dem Massenschwerpunkt, kurz G? Im Formschwerpunkt F kann man sich die Masse des vom Schiff verdrängten Wassers vereinigt denken. In F wirkt die Auftriebskraft senkrecht zur Wasseroberfläche nach oben. Im Massenschwerpunkt G kann man sich die Masse des Schiffes einschließlich Ausrüstung und Besatzung vereinigt denken. In G wirkt die Gewichtskraft senkrecht zur Wasseroberfläche nach unten. Das Zusammenspiel dieser beiden Kräfte bestimmt die Stabilität deines Schiffes.
Wenn du ein neues Boot kaufst, siehst du oft ein CE-Zeichen mit einer Kategorieangabe. Was bedeutet die im Zusammenhang mit dem CE-Zeichen für Wassersportfahrzeuge angegebene Kategorie "B Außerhalb von Küstengewässern"? Das bedeutet, dein Fahrzeug ist ausgelegt für Fahrten außerhalb von Küstengewässern, in denen Windstärken bis einschließlich 8 Beaufort und signifikante Wellenhöhen bis einschließlich 4 Meter auftreten können. Es gibt dir eine wichtige Information über die Seetüchtigkeit deines Bootes.
Dein Dieselmotor ist das Herzstück deines Bootes, auch wenn du hauptsächlich segelst. Warum solltest du bei seltener Motorbenutzung den eingebauten Tank eines Dieselmotors möglichst vollgetankt halten? Um die Kondenswasserbildung zu verringern, die sonst zu Startschwierigkeiten führen kann. Ein voller Tank hat weniger Luftvolumen, in dem sich Kondenswasser bilden kann.
Manchmal streikt die Elektrik an Bord. Ein funktionsfähiges elektrisches Gerät arbeitet an Bord nicht. Nenne häufige Ursachen und was kann zur Behebung getan werden? Die häufigsten Ursachen sind schlechte Kontakte und Korrosion. Zur Behebung solltest du die Kontakte fest anziehen, korrodierte Stellen mit feinstem Schleifpapier säubern und Kontaktspray verwenden, um die Leitfähigkeit wiederherzustellen.
Und noch einmal zum Mastbruch: Wie verhältst du dich nach einem Mastbruch, und was musst du veranlassen? Nach Möglichkeit solltest du den Mast an Bord nehmen und sichern. Falls das nicht möglich ist, musst du Mast und Wanten kappen, um Rumpfschäden zu vermeiden. Ein umhertreibender Mast, der am Boot schlägt, kann im schlimmsten Fall den Rumpf durchschlagen und dein Schiff sinken lassen.
Die Launen des Himmels – Wetterkunde für Segler
Zum Abschluss unserer heutigen Reise werfen wir einen Blick in den Himmel, denn das Wetter ist unser ständiger Begleiter auf See. Wie entstehen Tiefdruckgebiete? Sie entstehen durch das Aufeinandertreffen von kalten Luftmassen aus hohen Breiten und subtropischen warmen Luftmassen. Diese unterschiedlichen Luftmassen wollen sich ausgleichen, und dabei entsteht eine Rotation, die wir als Tiefdruckgebiet kennen. Sie bringen oft Wind und Niederschlag mit sich.
Nachts am Strand spürst du oft einen leichten Wind, der vom Land aufs Meer zieht. Wodurch und wie entsteht nachts Landwind? Das Land kühlt sich bei geringer Bewölkung stark ab. Das Wasser ändert seine Temperatur an der Oberfläche dagegen nur geringfügig. Über dem Wasser steigt daher erwärmte Luft auf. Das dabei entstehende Bodentief wird durch den Landwind, also Wind von Land, aufgefüllt. Es ist ein faszinierendes Phänomen, das durch die unterschiedliche Wärmespeicherkapazität von Land und Wasser entsteht.
Wir sprechen oft von Wellenhöhen, aber was ist die kennzeichnende Wellenhöhe, und womit musst du rechnen? Die kennzeichnende Wellenhöhe ist die mittlere Höhe der gut ausgeprägten Wellen, genauer gesagt, das Mittel des oberen Drittels der Wellen. Es ist also nicht die Höhe der höchsten Welle. Und womit musst du rechnen? Einzelne Wellen können das 1,5-fache der kennzeichnenden Wellenhöhe erreichen. Das bedeutet, wenn die kennzeichnende Wellenhöhe 2 Meter beträgt, können einzelne Wellen bis zu 3 Meter hoch sein. Sei also immer auf die Ausreißer vorbereitet.
Das Barometer ist dein Freund an Bord. Was für Wetter muss meistens erwartet werden, wenn der Luftdruck über einen Zeitraum von 3 Stunden um 10 Hektopascal fällt? Das ist ein deutliches Warnsignal für einen schweren Sturm. Und was muss bei einem an Bord beobachteten starken Luftdruckfall beachtet werden? Du musst unbedingt den Kurs und die Fahrt deines Schiffes in Bezug auf das Tiefdruckgebiet beachten. Versuche, dem Zentrum des Tiefs auszuweichen oder eine Kursänderung vorzunehmen, um den schlimmsten Bedingungen zu entgehen.
Und schließlich: Welche Faktoren können die Länge und Höhe des Seegangs erheblich verändern? Das sind die Wassertiefe sowie Meeres- und Gezeitenströmungen. Flaches Wasser kann Wellen steiler und kürzer machen, während entgegenlaufende Strömungen den Seegang ebenfalls aufsteilen können. Diese Faktoren sind besonders in Küstennähe und in Flussmündungen zu beachten.
Fazit: Dein Wissen als Kompass
Wir haben heute eine Menge gelernt: von den Feinheiten der Navigation mit AIS und Seekarten über die wichtigen Regeln des Seerechts bis hin zu den praktischen Aspekten der Seemannschaft und den Vorhersagen des Wetters. Jedes dieser Themen ist ein kleines Puzzleteil, das sich zu einem großen Ganzen zusammenfügt – deinem sicheren und kompetenten Handeln als Skipper.
Denke daran, die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Aber mit einem fundierten theoretischen Wissen im Rücken kannst du die Herausforderungen auf See viel gelassener und sicherer meistern. Bleib neugierig, übe fleißig und freue dich auf die nächste Folge, in der wir uns weiteren spannenden Themen widmen werden. Bis dahin, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und allzeit gute Fahrt!