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Übungsbogen 8: Navigation, Seerecht, Seemannschaft und Wetter

Moin, moin und herzlich willkommen zu unserem achten Törn durch die Welt des SKS-Wissens! Stell dir vor, wir stehen gemeinsam am Steuerrad, der Wind pfeift leise in den Wanten, und wir blicken hinaus auf die unendliche Weite des Meeres. Jeder Törn ist eine Reise, und auf dieser Reise begegnen uns immer wieder neue Herausforderungen und spannende Erkenntnisse. Heute tauchen wir tief ein in die Geheimnisse der Navigation, die klaren Regeln des Seerechts, die praktischen Kniffe der Seemannschaft und die Launen des Wetters. Schnall dich an, denn es geht los!

Navigation: Dein Auge in der Dunkelheit und unter Wasser

Du bist gerade auf einer nächtlichen Passage, die Gischt spritzt, und die Lichter der Küste sind nur noch ein schwacher Schimmer am Horizont. Plötzlich siehst du auf deinem Plotter ein großes Handelsschiff, das auf Kollisionskurs zu sein scheint. Doch Moment mal, du siehst es nur auf dem Bildschirm, nicht aber am Horizont. Das ist der Moment, in dem du an die besondere Bedeutung von AIS denkst.

AIS, das Automatic Identification System, ist wie ein unsichtbares Ohr und Auge auf See. Große Schiffe senden ständig ihre Position, Kurs, Geschwindigkeit und vieles mehr aus. Dein AIS-Empfänger fängt diese Daten auf und zeigt sie dir auf dem Plotter an. Das ist fantastisch, denn du siehst Schiffe, die du optisch noch gar nicht erkennen kannst, und kannst frühzeitig reagieren. Aber hier kommt der Haken: Viele Sportboote sind nicht mit AIS ausgestattet. Und genau das ist die Gefahr. Große Pötte haben oft nicht nur Radar, sondern auch AIS-Daten, die direkt ins Radarbild eingespeist werden. Wenn du nun mit deinem kleinen Sportboot ohne AIS unterwegs bist, kann es passieren, dass du auf dem Radar des anderen Schiffes im sogenannten "Seegangsclutter" oder in der schieren Informationsfülle untergehst. Die Schiffsführung des Handelsschiffes konzentriert sich vielleicht auf die AIS-Ziele, und dein kleines, unsichtbares Boot wird übersehen. Deshalb ist es so wichtig, sich dieser Lücke bewusst zu sein und immer wachsam zu bleiben, auch wenn moderne Technik vieles vereinfacht.

Apropos Technik und Sichtbarkeit: Erinnerst du dich an die Leuchtfeuer, die uns den Weg weisen? Wenn du in der Seekarte bei einem Leuchtfeuer die Angabe "18 M" findest, dann ist das die sogenannte Nenntragweite. Sie gibt dir an, wie weit das Licht dieses Leuchtfeuers unter optimalen Bedingungen, also bei klarer Sicht, theoretisch sichtbar ist – in diesem Fall 18 Seemeilen. Das ist wichtig, um deine Position zu bestimmen und Kurs zu planen, besonders bei Nacht.

Doch selbst die beste Seekarte ist nur so gut wie ihre Aktualität. Das Meer verändert sich ständig: neue Wracks, verlegte Fahrwasser, geänderte Leuchtfeuer. Deshalb gibt es die Nachrichten für Seefahrer, kurz NfS. Wer gibt die heraus? Das ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, das BSH. Und wie oft bekommst du diese wichtigen Updates? Einmal wöchentlich, entweder in Heftform oder ganz bequem online. Es ist deine Pflicht als verantwortungsvoller Skipper, deine Karten und elektronischen Navigationssysteme stets auf dem neuesten Stand zu halten.

Manchmal, wenn du deine GPS-Position auf der Seekarte einträgst, bemerkst du vielleicht einen kleinen, aber feinen Unterschied. Das liegt daran, dass nicht alle Seekarten das gleiche "Kartendatum" verwenden wie dein GPS-Gerät, das meist auf WGS 84 basiert. Deine Seekarte könnte zum Beispiel auf ED 50 basieren. Stell dir vor, du hast eine alte Straßenkarte und versuchst, eine moderne GPS-Position darauf zu finden – es passt nicht ganz. Deshalb findest du in der Seekarte oft einen Korrekturhinweis, der dir genau sagt, um wie viele Minuten nordwärts/südwärts und westwärts/ostwärts du deine GPS-Position verschieben musst, damit sie perfekt mit der Karte übereinstimmt. Das ist entscheidend für präzise Navigation.

Auch wenn GPS heute allgegenwärtig ist, darfst du die traditionellen Methoden der terrestrischen Ortsbestimmung nicht vergessen. Was, wenn dein GPS ausfällt? Dann greifst du auf deine Kenntnisse der Kreuzpeilung zurück – zwei oder mehr Peilungen von markanten Objekten ergeben einen Schnittpunkt, deine Position. Oder die Peilung und der Abstand, zum Beispiel zu einem Leuchtfeuer, dessen Kimm du gerade siehst, oder dessen Radarabstand du misst. Und natürlich die Peilung und Lotung, bei der du eine Peilung mit einer Tiefenmessung kombinierst, um deine Position auf der Karte zu finden. Diese Methoden sind nicht nur Prüfungsstoff, sondern überlebenswichtig.

Das Meer ist auch ein Ort der Gezeiten. Stell dir vor, du bist in der Nordsee und planst, bei Niedrigwasser in einen kleinen Hafen einzulaufen. Da ist es gut zu wissen, wie die Kartennull definiert ist. In der Ostsee ist die Kartennull der mittlere Wasserstand. Aber in der Nordsee und im Englischen Kanal ist es anders: Da entspricht die Kartennull dem niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand, dem sogenannten LAT, Lowest Astronomical Tide. Das bedeutet, die Tiefen in der Karte sind die geringsten Tiefen, mit denen du theoretisch rechnen musst. Die genaue Definition der Kartennullebene findest du immer in der jeweiligen Seekarte selbst. Und wenn du eine Lotung vornimmst, also die Tiefe misst, kannst du normalerweise mindestens mit der Kartentiefe rechnen, die dir in der Seekarte angezeigt wird. Es ist deine Sicherheit gegen unerwartete Grundberührung.

Apropos Sicherheit: Was tust du, wenn jemand über Bord geht? Jeder Skipper muss wissen, wie die MOB-Taste am GPS-Gerät funktioniert. Wenn du diese Taste drückst, speichert das Gerät sofort die genaue Position zum Zeitpunkt des Tastendrucks. Gleichzeitig zeigt es dir die rechtweisende Peilung und die Distanz zu diesem "Mann über Bord"-Punkt an. So kannst du sofort einen Kurs zurück zum Verunfallten steuern. Ein lebensrettendes Feature, das du im Notfall blind bedienen können solltest.

Seerecht: Die Regeln der Straße auf See

Nun verlassen wir die reine Navigation und tauchen ein in die Welt des Seerechts. Stell dir vor, du bist auf See und siehst ein anderes Schiff, das eindeutig Probleme hat. Wie erkennst du, ob es manövrierbehindert oder sogar manövrierunfähig ist? Am Tage werden manövrierbehinderte Fahrzeuge durch drei schwarze Signalkörper senkrecht übereinander gekennzeichnet: Ball-Rhombus-Ball. Das sagt dir: Achtung, dieses Schiff kann nicht so ausweichen, wie es sollte, vielleicht schleppt es etwas, oder es ist mit Unterwasserarbeiten beschäftigt. Ein manövrierunfähiges Fahrzeug hingegen, also eines, das überhaupt nicht mehr steuern kann, zeigt zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander. Diese Zeichen sind international verständlich und unerlässlich für deine Sicherheit auf See.

Manchmal begegnest du auf See auch sogenannten "Küstenverkehrszonen". Das ist das Gebiet zwischen der Küste und der landwärtigen Grenze eines Verkehrstrennungsgebietes. Hier herrschen oft besondere Regeln, um den Verkehr sicherer zu gestalten und die Kollisionsgefahr zu minimieren.

Stell dir vor, es ist Nacht, und du siehst von deiner Motoryacht aus etwa recht voraus die Lichter eines anderen Fahrzeugs: ein Topplicht und beide Seitenlichter. Die Lichter werden rasch heller. Was ist das? Es ist ein Maschinenfahrzeug von weniger als 50 Metern Länge in Fahrt, und ihr seid auf Kollisionskurs! Wie löst ihr das? Gemäß den KVR (Kollisionsverhütungsregeln) müsst ihr beide euren Kurs nach Steuerbord ändern, sodass ihr euch an der Backbordseite passiert. Und ganz wichtig: Jeder muss dabei einen kurzen Ton geben, um seine Kursänderung anzuzeigen. Das ist eine der grundlegendsten Ausweichregeln auf See.

Aber was, wenn du selbst in Not gerätst? Deine 8 Meter lange Motoryacht treibt nachts manövrierunfähig in der Nordsee, und ein großes Schiff kommt direkt auf dich zu. Was tust du? Wenn du nicht die vorgeschriebenen zwei roten Rundumlichter senkrecht übereinander führen kannst, musst du auf andere Weise signalisieren, dass du manövrierunfähig bist. Das kann über UKW-Sprechfunk sein, durch ein Schallsignal wie lang-kurz-kurz oder ein Lichtsignal in der gleichen Abfolge. Leuchte das andere Schiff mit einer starken Handlampe an, um auf dich aufmerksam zu machen. Du könntest auch ein weißes Rundumlicht führen, das nicht mit anderen Lichtern verwechselt werden kann, oder ein Signal "weißer Stern" oder "Blitz-Knall" abfeuern. Und das Wichtigste: Informiere sofort die Verkehrszentrale, wenn du in deren Bereich bist. Jede dieser Maßnahmen kann dein Leben oder das deiner Crew retten.

Manchmal begegnen dir auch besondere Regeln, wie zum Beispiel bei der Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel. Dort gibt es Lichtsignale, die dir genau sagen, was zu tun ist. Ein unterbrochenes rotes Licht bedeutet: Einfahren verboten. Ein unterbrochenes weißes Licht über einem unterbrochenen roten Licht heißt: Die Freigabe wird vorbereitet – mach dich bereit. Und ein unterbrochenes weißes Licht? Das ist dein Zeichen: Sportfahrzeuge können einfahren. Diese Signale sind präzise und müssen verstanden werden.

Ein zentraler Begriff im Seerecht ist "Vorfahrt beachten". Das bedeutet nicht einfach nur "passiv zusehen", sondern es begründet eine aktive Wartepflicht. Wenn du die Vorfahrt zu beachten hast, musst du durch dein Fahrverhalten klar erkennen lassen, dass du warten wirst. Du darfst nur weiterfahren, wenn du sicherstellen kannst, dass die Schifffahrt im Fahrwasser nicht beeinträchtigt wird. Das kann bedeuten, dass du deinen Kurs oder deine Geschwindigkeit ändern musst – rechtlich gilt das übrigens nicht als Ausweichen, sondern als Erfüllung deiner Wartepflicht.

Und was machst du, wenn du in der Nordsee nördlich von Helgoland eine noch unbekannte Gefahr entdeckst, zum Beispiel einen treibenden Container? Du musst das auf dem schnellsten Weg melden! Entweder direkt oder über eine Verkehrszentrale bzw. Küstenfunkstelle an das Maritime Lagezentrum (MLZ) in Cuxhaven. Sie sind die zentrale Meldestelle für Unfälle und Gefahren auf See. Deine Meldung kann andere Schiffe vor einer Kollision bewahren.

Seemannschaft: Praktisches Wissen für den Törn

Nach all den Regeln und der Technik wenden wir uns nun der Seemannschaft zu, dem praktischen Können, das dich zum sicheren Skipper macht.

Die Sicherheit der Besatzung hat immer oberste Priorität. Eine der größten Gefahren ist der Sturz über Bord. Wie kannst du das verhindern? Ganz einfach: Sicherheitsgurte anlegen und einpicken! Das ist das A und O. Außerdem solltest du Laufleinen, auch "Streckleinen" genannt, vom Bug zum Heck anbringen. Das sind feste Leinen, an denen sich die Crew mit ihren Sicherheitsgurten einpicken kann, um sich sicher an Deck zu bewegen. Und ganz wichtig: Weise deine Crew vor Reiseantritt auf die Befestigungspunkte, die Einpickpunkte für die Karabinerhaken, hin. Jeder muss wissen, wo er sich sicher einhaken kann.

Zur Sicherheitsausrüstung in der Küstenfahrt gehört noch viel mehr: Eine Rettungsweste und ein Sicherheitsgurt für jedes Besatzungsmitglied, eine Rettungsinsel für den Ernstfall, ein Rettungskragen mit Tag- und Nachtsignal, um einen über Bord Gegangenen schnell wiederzufinden, und natürlich eine umfassende Erste-Hilfe-Ausrüstung mit einer Anleitung für den Notfall. Diese Dinge sind keine Luxusartikel, sondern unverzichtbar.

Als Schiffsführer hast du die Verantwortung, deine Crew vor Reiseantritt in die wichtigsten technischen Einrichtungen und Ausrüstungen einzuweisen. Denk an das Ankergeschirr, die Lenzeinrichtung, um eindringendes Wasser abzupumpen, die Feuerlöscheinrichtungen, die Motoranlage, die Seeventile, die UKW-Seefunkanlage, die MOB-Taste am GPS und die Seenotsignalmittel. Und vergiss nicht die Notrudereinrichtung – denn was, wenn die Steuerung ausfällt? Jeder an Bord sollte wissen, wo diese Dinge sind und wie sie im Notfall bedient werden.

Bleiben wir beim Ankergeschirr. Warum darfst du den Anker nicht einfach zusammen mit seiner Leine über Bord werfen, wenn du ankerst? Die Antwort ist simpel: Die Leine könnte sich mit dem Anker vertörnen, also verwickeln. Wenn das passiert, kann der Anker nicht richtig in den Grund eingraben und würde nicht halten. Du willst doch sicher sein, dass dein Ankerplatz hält, oder?

Wenn du eine Segelyacht hast, welche Segel solltest du mindestens an Bord haben, wenn du in der Küstenfahrt unterwegs bist? Ein reffbares Großsegel ist Pflicht, damit du die Segelfläche bei zunehmendem Wind reduzieren kannst. Dazu kommt eine reffbare Rollfock oder Vorsegel verschiedener Größen, um flexibel auf die Windverhältnisse reagieren zu können. Und für den echten Sturm brauchst du unbedingt eine Sturmfock.

Manchmal sieht man ein entgegenkommendes Boot, das ungerefft segelt, obwohl man selbst schon reffen musste. Das kann verwirrend sein, aber die Erklärung liegt im "scheinbaren Wind". Auf Amwindkursen, also wenn du gegen den Wind segelst, ist der scheinbare Wind, den du an Deck spürst, stärker als der wahre Wind. Auf Raumschot- oder Vorwindkursen hingegen ist er schwächer. Das andere Boot segelt vielleicht auf einem anderen Kurs und erlebt dadurch ganz andere Windverhältnisse.

Beim Tanken von Diesel gibt es ebenfalls wichtige Sicherheitsmaßnahmen. Stell immer die Maschine ab, lösche offenes Feuer und stelle das Rauchen ein. Und ganz wichtig: Treffe Maßnahmen gegen Überlaufen, denn Diesel auf dem Wasser ist eine Umweltkatastrophe und brandgefährlich.

Deine Festmacherleinen sind ständig der Reibung ausgesetzt, besonders in Klüsen oder an scharfen Kanten an der Pier. Wie kannst du verhindern, dass sie durch Schamfilen beschädigt werden? Ganz einfach: Zieh einen gegen Verrutschen gesicherten Plastikschlauch über den Festmacher an der Scheuerstelle. Wenn du keinen Schlauch hast, tun es auch Tuchstreifen als provisorischer Schutz. Das verlängert die Lebensdauer deiner Leinen erheblich.

Und noch ein Tipp für Hafenmanöver, besonders wenn du ein Boot mit Saildrive-Antrieb hast. Was ist der Nachteil bei solchen Antrieben? Der große Abstand zwischen Propeller und Ruder. Dadurch wird das Ruder nicht direkt vom Propellerstrom angeströmt, was die Manövrierfähigkeit beim Anfahren etwas verschlechtern kann. Das musst du wissen und in deinen Manövern berücksichtigen.

Wetterkunde: Die Zeichen des Himmels lesen

Zu guter Letzt werfen wir einen Blick nach oben, zu den Wolken und dem Wind, denn das Wetter ist der mächtigste Mitspieler auf See.

Welche Wolkenformen lassen dich mit erhöhter Böigkeit rechnen? Ganz klar: Haufenwolken, besonders der Cumulonimbus, die imposante Schauer- und Gewitterwolke. Diese Wolken sind ein Zeichen für starke vertikale Luftbewegungen und können dir plötzlich kräftige Böen bescheren, die dein Boot ordentlich durchschütteln.

Ein wichtiger Begriff in der Wetterkunde ist der Taupunkt. Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden muss, damit sie vollständig mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Erreichst du diese Temperatur, setzt Kondensation ein, und du siehst Taubildung. Das ist nicht nur relevant für das Beschlagen deiner Scheiben, sondern auch ein Indikator für die Feuchtigkeit in der Luft und mögliche Nebelbildung.

Wenn du eine Wettervorhersage hörst, die sagt "Nordwest 6", was bedeutet das für die Schwankungsbreite in Windrichtung und Windstärke? Bei "Nordwest 6" kannst du mit Windrichtungsschwankungen von bis zu 45 Grad um die Hauptwindrichtung rechnen, also von Westnordwest bis Nordnordwest. Und bei der Windstärke? Es können Böen auftreten, die etwa ein bis zwei Beaufort über dem Mittelwind liegen. Eine 6 Beaufort kann also kurzzeitig eine 7 oder sogar eine 8 sein. Sei darauf vorbereitet!

Seegebiete sind international festgelegt, und es ist gut zu wissen, wo du nachlesen kannst, wo sich zum Beispiel das Seegebiet "Fischer" befindet. Dafür gibt es amtliche Veröffentlichungen wie das "Handbuch Nautischer Funkdienst", den "Jachtfunkdienst für Nord- und Ostsee" oder die "Admiralty List of Radio Signals". Diese Bücher sind deine Bibel für Funkdienste und Seegebietseinteilungen.

Und noch eine letzte Wetterfrage: Welchen Seegang musst du erwarten, wenn du küstennah bei ablandigem Wind fährst? Der Seegang wird nicht so hoch sein wie auf der freien See. Warum? Weil der "Fetch", also die Windwirklänge, nur sehr kurz ist. Der Wind hat nicht genug Strecke über das offene Wasser, um große Wellen aufzubauen. Das ist oft ein Vorteil, wenn du Schutz in Küstennähe suchst.

So, mein lieber Segelfreund, da haben wir ihn, unseren achten Törn durch das SKS-Wissen. Wir haben uns mit dem unsichtbaren Auge des AIS beschäftigt und die Bedeutung der Nenntragweite von Leuchtfeuern verstanden. Wir haben gelernt, wie wichtig aktuelle Seekarten sind und wie man GPS-Positionen korrekt auf alten Karten einträgt. Wir haben uns die klassischen Methoden der Ortsbestimmung angeeignet und die Geheimnisse der Kartennull in Ost- und Nordsee gelüftet. Die lebensrettende MOB-Taste ist uns nun vertraut.

Im Seerecht haben wir die Bedeutung der Signalkörper für manövrierbehinderte und -unfähige Fahrzeuge erkannt, die Regeln für Küstenverkehrszonen verstanden und gelernt, wie man Kollisionen bei Nacht vermeidet. Wir wissen, wie man sich als manövrierunfähiges Boot zu erkennen gibt und die speziellen Lichtsignale am NOK deutet. Der Begriff "Vorfahrt beachten" hat eine neue Tiefe bekommen, und wir wissen, wie man Gefahren auf See meldet.

In der Seemannschaft haben wir die Wichtigkeit von Sicherheitsgurten, Laufleinen und der richtigen Einweisung der Crew betont. Wir haben die Mindestausrüstung an Segeln besprochen und den Unterschied zwischen wahrem und scheinbarem Wind erklärt. Die Sicherheitsmaßnahmen beim Tanken und der Schutz der Festmacherleinen sind uns nun geläufig, ebenso wie die Eigenheiten des Saildrive-Antriebs.

Und schließlich, in der Wetterkunde, können wir nun Wolken lesen, den Taupunkt deuten und die Schwankungsbreiten von Windrichtung und -stärke bei einer Vorhersage wie "Nordwest 6" einschätzen. Wir wissen, wo wir Informationen über Seegebiete finden und welchen Seegang wir bei ablandigem Wind küstennah erwarten dürfen.

Du siehst, das Segeln ist eine faszinierende Mischung aus Technik, Regeln, praktischem Können und dem Verstehen der Natur. Jedes dieser Puzzleteile trägt dazu bei, dass du ein sicherer und kompetenter Skipper wirst. Nimm dieses Wissen mit auf deine nächsten Törns, übe es, verinnerliche es. Denn nur wer versteht, kann auch handeln. Ich freue mich schon auf unseren nächsten gemeinsamen Törn. Bis dahin, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Übungsfragen zu diesem Bogen

30 Fragen aus Navigation, Schifffahrtsrecht, Seemannschaft und Wetterkunde

Kurzantwort
GPS Positionen (WGS 84) sind X Minuten nord/südwärts und Y Minuten west/ostwärts zu verlegen, um mit dem Kartendatum übereinzustimmen
Musterantwort
Durch Satellitennavigation (z. B. GPS) erhaltene Positionen im WGS 84 sind 0, ... Minuten nordwärts/südwärts und 0, ... Minuten westwärts/ostwärts zu verlegen, um mit dieser Karte übereinzustimmen.
Kurzantwort
Nenntragweite: 18 Seemeilen.
Musterantwort
Es ist die Nenntragweite, hier 18 Seemeilen.
Kurzantwort
BSH, wöchentlich, Heftform, Internet.
Musterantwort
Die NfS werden vom BSH in Heftform und im Internet herausgegeben und erscheinen einmal wöchentlich.
Kurzantwort
Kreuzpeilung, Peilung und Abstand, Peilung und Lotung.
Musterantwort
Kreuzpeilung, Peilung und Abstand (Feuer in der Kimm, Radarabstand), Peilung und Lotung.
Kurzantwort
Springzeit: Sonne, Mond, Erde in einer Ebene. Nippzeit: Erde-Sonne und Erde-Mond im rechten Winkel.
Musterantwort
Bei Springzeit befinden sich Mond und Sonne in einer Ebene mit der Erde, bei Nippzeit stehen die Verbindungslinien Erde/Sonne und Erde/Mond im rechten Winkel zueinander.
Kurzantwort
Ostsee: KN = mittlerer Wasserstand. Nordsee und Englischer Kanal: KN = niedrigstmöglicher Gezeitenwasserstand (LAT - Lowest Astronomical Tide). In Seekarte beschrieben.
Musterantwort
In der Ostsee entspricht KN dem mittleren Wasserstand. In der Nordsee und im Englischen Kanal entspricht KN dem niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstand ( LAT = Lowest Astronomical Tide). In der jeweiligen Seekarte ist die Kartennullebene beschrieben.
Kurzantwort
Kartentiefe
Musterantwort
Mit der Kartentiefe.
Kurzantwort
Position beim Tastendruck wird gespeichert. rwP und Distanz angezeigt.
Musterantwort
Die Position zur Zeit des Tastendrucks wird gespeichert. Rechtweisende Peilung (rwP) und Distanz zu diesem Punkt werden angezeigt.
Kurzantwort
Sportfahrzeuge oft schlecht sichtbar auf Radar. AIS-Daten im Radarbild anderer Schiffe können Sportfahrzeuge ohne AIS noch unauffälliger machen.
Musterantwort
Sportfahrzeuge werden häufig auf den Radargeräten anderer Schiffe nicht sicher angezeigt bzw. die Anzeigen gehen im Seegangsclutter oder in der Informationsfülle unter. Da jetzt auf vielen Schiffen die AIS-Daten zusätzlich im Radar dargestellt werden, besteht die Gefahr, dass Sportfahrzeuge noch weniger auffällig sind, wenn sie nicht selbst mit AIS ausgerüstet sind.
Kurzantwort
Manövrierbehindert: Ball-Raute-Ball senkrecht. Manövrierunfähig: Zwei Bälle senkrecht.
Musterantwort
Manövrierbehinderte Fahrzeuge: Ball-Rhombus-Ball senkrecht übereinander. Manövrierunfähige Fahrzeuge: zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander.
Kurzantwort
Gebiet zwischen Küste und landwärtiger Grenze eines Verkehrstrennungsgebietes.
Musterantwort
Das Gebiet zwischen der Küste und der landwärtigen Grenze eines Verkehrstrennungsgebietes.
Kurzantwort
B ist ein Maschinenfahrzeug von weniger als 50 m Länge in Fahrt. A und B müssen ihren Kurs nach Steuerbord ändern, um sich an der Backbord-Seite zu passieren und dabei jeweils einen kurzen Ton abgeben.
Musterantwort
B ist ein Maschinenfahrzeug von weniger als 50 m Länge in Fahrt. A und B müssen ihren Kurs so nach Steuerbord ändern, dass sie einander an der Backbord-Seite passieren. Dabei müssen A und B das Signal "ein kurzer Ton" geben.
Kurzantwort
UKW, Schallsignal (lang-kurz-kurz), Handlampe, weißes Rundumlicht, Notsignal (weißer Stern/Blitz-Knall), Verkehrszentrale informieren.
Musterantwort
Ein Fahrzeug von weniger als 12 m Länge, das die zwei roten Rundumlichter senkrecht übereinander nicht führt, muss folgende Maßnahmen ergreifen: Durch jedes andere verfügbare Mittel anzeigen, dass es manövrierunfähig ist, z. B. über UKW -Sprechfunk oder durch ein Schallsignal oder das Lichtsignal lang-kurz-kurz. Bei weiterer Annäherung das andere Fahrzeug mit einer starken Handlampe anleuchten und so auf sich aufmerksam machen. Führen eines weißen Rundumlichtes, das mit keinem anderen Licht verwechselt werden kann. Abfeuern eines Signals "weißer Stern" oder "Blitz-Knall". Sofort bei Eintritt der Manövrierunfähigkeit Verkehrszentrale informieren (wenn vorhanden).
Kurzantwort
1. Einfahren verboten 2. Freigabe wird vorbereitet 3. Sportfahrzeuge können einfahren
Musterantwort
Einfahren verboten. Freigabe wird vorbereitet. Sportfahrzeuge können einfahren.
Kurzantwort
bedeutet, dass man die Pflicht hat zu warten, wenn andere Fahrzeuge Vorfahrt haben. es muss erkennbar sein, dass man bereit ist zu warten. Weiterfahren nur ohne Beeinträchtigung der Schifffahrt
Musterantwort
"Vorfahrt beachten" begründet eine Wartepflicht. Wer die Vorfahrt zu beachten hat, muss rechtzeitig durch sein Fahrverhalten erkennen lassen, dass er warten wird. Er darf nur weiterfahren, wenn er übersehen kann, dass die Schifffahrt im Fahrwasser nicht beeinträchtigt wird. Ggf. hat der Wartepflichtige seinen Kurs und/oder seine Geschwindigkeit zu ändern (gilt rechtlich nicht als Ausweichen!).
Kurzantwort
schnellstens Meldung an die Verkehrszentrale
Musterantwort
Man muss dies auf dem schnellsten Weg direkt oder über eine Verkehrszentrale bzw. Küstenfunkstelle dem Maritimen Lagezentrum ( MLZ ) in Cuxhaven als Meldestelle für Unfälle auf See mitteilen.
Kurzantwort
Temperatur, bei der Luft gesättigt ist und Taubildung einsetzt
Musterantwort
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden muss, damit sie mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Es setzt Kondensation (Taubildung) ein.
Kurzantwort
Bei Haufenwolken, besonders beim Cumulonimbus.
Musterantwort
Bei Haufenwolken, besonders beim Cumulonimbus (Schauer- und Gewitterwolke).
Kurzantwort
Die Schwankung in der Windrichtung beträgt bis zu 45° und Böen liegen etwa 1 bis 2 Bft über dem Mittelwind.
Musterantwort
Die Schwankung in der Windrichtung kann bis zu 45° um die Hauptwindrichtung betragen, also von Westnordwest ( WNW ) bis Nordnordwest ( NNW ). Es können Böen auftreten, die etwa 1 bis 2 Bft über dem Mittelwind liegen.
Kurzantwort
Handbuch Nautischer Funkdienst, Jachtfunkdienst für Nord- und Ostsee, Admiralty List of Radio Signals.
Musterantwort
Im "Handbuch Nautischer Funkdienst", im "Jachtfunkdienst für Nord- und Ostsee" oder in der " Admiralty List of Radio Signals ".
Kurzantwort
Der Seegang wird nicht so hoch sein wie auf der freien See.
Musterantwort
Der Seegang wird nicht so hoch sein wie auf der freien See, da der Fetch (Windwirklänge) nur sehr kurz ist.
Kurzantwort
Reffbares Großsegel, reffbare Rollfock oder Vorsegel, Sturmfock.
Musterantwort
Reffbares Großsegel, reffbare Rollfock oder Vorsegel verschiedener Größen, Sturmfock.
Kurzantwort
Auf Amwindkurs ist der "scheinbare Wind" stärker als auf Raumschot- oder Vorwindkursen.
Musterantwort
Der "scheinbare Wind" ist unterschiedlich stark. Er ist auf Amwindkursen stärker und auf Raumschot- oder Vorwindkursen schwächer als der "wahre Wind".
Kurzantwort
Maschine abstellen offenes Feuer löschen (Rauchen einstellen) Maßnahmen gegen Überlaufen treffen
Musterantwort
Maschine abstellen, offenes Feuer löschen (Rauchen einstellen), Maßnahmen gegen Überlaufen treffen.
Kurzantwort
Durch gesicherten Plastikschlauch oder Tuchstreifen,
Musterantwort
Durch einen gegen Verrutschen gesicherten Plastikschlauch, der über den Festmacher an der Scheuerstelle gezogen wird, hilfsweise mit Tuchstreifen.
Kurzantwort
Eingeschränkte Manövrierfähigkeit durch großen Abstand zwischen Propeller und Ruder, Ruder wird nicht optimal angeströmt
Musterantwort
Durch den großen Abstand zwischen Propeller und Ruder wird dieses nicht direkt angeströmt. Das kann die Manövrierfähigkeit beim Anfahren etwas verschlechtern.
Kurzantwort
Sicherheitsgurte anlegen und einpicken. Anbringen von Laufleinen. Crew auf Einpickpunkte hinweisen.
Musterantwort
Sicherheitsgurte anlegen und einpicken. Anbringen von "Streck-" oder Laufleinen vom Bug zum Heck. Crew auf Befestigungspunkte (Einpickpunkte für Karabinerhaken) hinweisen.
Kurzantwort
Rettungsweste, Sicherheitsgurt (Lifebelt), Rettungsinsel, Rettungskragen mit Signal, Erste-Hilfe-Ausrüstung.
Musterantwort
Rettungsweste und Sicherheitsgurt (Lifebelt) für jedes Besatzungsmitglied, Rettungsfloß (Rettungsinsel), Rettungskragen mit Tag- und Nachtsignal und Erste-Hilfe-Ausrüstung mit Anleitung.
Kurzantwort
Lenzeinrichtung Feuerlöscher Motoranlage Seeventile UKW-Seefunkanlage MOB / Distress Taste Notruder Ankergeschirr
Musterantwort
Ankergeschirr, Lenzeinrichtung, Feuerlöscheinrichtungen, Motoranlage, Seeventile, UKW-Seefunkanlage, MOB-Taste von satellitengestützten Navigationsgerät (z. B. GPS), Seenotsignalmittel, Notrudereinrichtung.
Kurzantwort
Die Leine könnte das Eingraben des Ankers verhindern.
Musterantwort
Die Leine könnte mit dem Anker vertörnen und dadurch das Eingraben des Ankers verhindern. Der Anker würde dann nicht halten.
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