Übungsbogen 13: Navigation, Seerecht, Seemannschaft und Wetter – Dein maritimer Kompass
Herzlich willkommen zurück an Bord, meine lieben Segelfreunde und angehenden SKS-Kapitäne! Heute nehmen wir euch wieder mit auf eine spannende Reise durch die Welt des Segelns. Stellt euch vor, ihr seid draußen auf See, die Wellen rauschen sanft am Rumpf entlang, und ihr navigiert sicher durch unbekannte Gewässer. Genau darum geht es heute: Wir vertiefen unser Wissen, damit ihr für jede Situation gewappnet seid. Wir sprechen über die unsichtbaren Helfer der Navigation, die Feinheiten des Seerechts, die Kunst der Seemannschaft und natürlich die unberechenbare, aber faszinierende Welt des Wetters. Macht es euch gemütlich, schnappt euch eine Tasse Tee und lasst uns gemeinsam in diese maritimen Abenteuer eintauchen.
Unsichtbare Helfer und sichtbare Zeichen: Die Kunst der Navigation
Stellt euch vor, ihr segelt bei Nacht durch die Elbmündung. Um euch herum Dunkelheit, nur die Positionslichter anderer Schiffe sind zu sehen. Doch auf eurem Plotter seht ihr viel mehr: Namen, Kurse, Geschwindigkeiten aller Schiffe in der Nähe. Das ist AIS, euer unsichtbarer Wachmann auf See. AIS, das Automatische Identifizierungssystem, sendet automatisch die Daten jedes ausgerüsteten Schiffes, und ihr empfangt sie in Echtzeit. Eine unglaubliche Hilfe, um Kollisionen zu vermeiden und den Überblick zu behalten, besonders in viel befahrenen Gebieten.
Doch nicht immer ist alles so klar wie auf dem Plotter. Manchmal seid ihr auf die guten alten Leuchtfeuer angewiesen. Wisst ihr, wo ihr detaillierte Informationen über diese Seezeichen findet? In den deutschen und britischen Leuchtfeuerverzeichnissen. Diese dicken Bücher sind wahre Schatzkisten maritimen Wissens. Sie enthalten detaillierte Beschreibungen der Leuchtfeuer, Feuerschiffe und Großtonnen, zusammen mit ihrer exakten geografischen Lage. So könnt ihr jedes Licht am Horizont identifizieren und wisst genau, wo ihr seid.
Apropos Orientierung: Euer Kompass ist dabei euer wichtigster Freund. Habt ihr schon einmal einen Kugelkompass in der Hand gehabt? Er hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem Fernglaskompass: Er funktioniert auch bei stärkerer Krängung, also wenn euer Boot ordentlich Schlagseite hat. Die Kugelform verbessert zudem die Ablesbarkeit der Kompassrose durch einen Vergrößerungseffekt. Das ist besonders praktisch, wenn die See unruhig ist und ihr präzise Kurs halten müsst.
Die Sichtbarkeit eines Leuchtfeuers hängt übrigens nicht nur von seiner Helligkeit ab. Die sogenannte "Tragweite" eines Feuers wird maßgeblich von der Lichtstärke des Feuers und dem Sichtwert beeinflusst. Letzterer beschreibt, wie lichtdurchlässig die Atmosphäre gerade ist. Ein starkes Licht in dichtem Nebel kann weniger weit reichen als ein schwächeres bei klarer Sicht.
Manchmal erreicht uns auch eine nautische Warnnachricht, kurz NWN. Und wenn diese den Zusatz "vital" trägt, dann ist höchste Vorsicht geboten. "Vital" bedeutet, dass die Warnung auf eine lebensbedrohliche Gefahr hinweist. Das kann ein treibender Container sein, eine plötzlich nicht mehr funktionierende Tonne oder ein anderes unvorhergesehenes Hindernis, das sofort eure Aufmerksamkeit erfordert.
Um euren Standort auf See präzise zu bestimmen, greift ihr oft zu Peilungen. Aber hier ist ein kleiner Trick: Der Winkel zwischen zwei Peilungen sollte niemals kleiner als 30 Grad und nicht größer als 150 Grad sein. Warum? Ganz einfach: Damit der gefundene Standort eine ausreichend sichere Positionsbestimmung ergibt. Zu kleine oder zu große Winkel führen zu ungenauen Ergebnissen und können euch in die Irre führen.
Und dann gibt es noch eine altbewährte Methode, die in manchen Situationen Gold wert sein kann: die Standlinie aus einer Lotung. Das funktioniert aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Meeresgrund muss ausreichend regelmäßig und ausreichend steil an- oder abfallen. Stellt euch vor, ihr segelt an einer Küste entlang, deren Wassertiefe kontinuierlich und deutlich variiert. Wenn ihr dann die Tiefe messt, könnt ihr anhand der Seekarte eure Position auf dieser Tiefenlinie bestimmen. Ein praktischer Kniff, wenn andere Systeme ausfallen.
In Gezeitengebieten spielen die Wasserstände eine entscheidende Rolle. Besonders wichtig ist hier die "Springzeit". Zur Springzeit sind besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser zu erwarten. Das liegt an der besonderen Konstellation von Sonne und Mond, die ihre Anziehungskräfte addieren. Wenn ihr also in einem Gezeitengebiet unterwegs seid, solltet ihr die Springzeiten kennen, um zum Beispiel Untiefen zu meiden oder Brücken sicher zu unterfahren.
Doch auch mit modernster Technik gibt es Grenzen. Euer GPS-Gerät ist zwar ein Segen, aber es kann auch ungenau werden. Besonders bei Abschattung der GPS-Antenne, etwa durch hohe Aufbauten oder in der Nähe von Bergen, kann die Genauigkeit leiden. Auch in der Nähe von Flughäfen, Fernsehsendern, Marineeinrichtungen oder bei der Nutzung von UKW-Geräten und anderen elektronischen Geräten an Bord können Störungen auftreten. Seid euch dieser potenziellen Ungenauigkeiten bewusst und verlasst euch nie blind auf ein einziges System.
Regeln auf See: Der Tanz der Schiffe
Nachdem wir uns sicher orientiert haben, wenden wir uns nun den Verkehrsregeln auf See zu. Denn auch hier gibt es einen festen "Tanz", um Kollisionen zu vermeiden.
Beginnen wir mit der "sicheren Geschwindigkeit". Was ist das eigentlich? Ganz einfach: Euer Schiff muss jederzeit innerhalb einer solchen Entfernung zum Stehen gebracht werden können, dass ein Zusammenstoß vermieden wird. Das bedeutet, bei schlechter Sicht oder in dicht befahrenen Gebieten müsst ihr eure Geschwindigkeit so anpassen, dass ihr immer handlungsfähig bleibt und auf unerwartete Ereignisse reagieren könnt.
Wenn ihr dann tatsächlich einem anderen Fahrzeug ausweichen müsst, wie macht ihr das? Eure Ausweichmanöver müssen immer möglichst frühzeitig und durchgreifend erfolgen. Das andere Fahrzeug muss eure Absicht rasch erkennen können, und ihr müsst euch gut klar halten, also genügend Abstand wahren. Zögerliches oder unklares Manövrieren ist gefährlich und kann zu Missverständnissen führen.
Stellt euch folgende Situation vor: Ihr seid nachts auf eurer Motoryacht A unterwegs. Etwa zwei Strich an Backbord erkennt ihr die Lichter eines anderen Fahrzeugs, Fahrzeug B, das rasch näher kommt. Die Kompasspeilung zu B ändert sich dabei nur geringfügig. Das ist ein klassischer Fall. Ihr seht die Steuerbordseite von B, wahrscheinlich ein Maschinenfahrzeug von weniger als 50 Metern Länge. In diesem Szenario muss Fahrzeug B ausweichen, weil es euch an seiner Steuerbordseite hat. Ihr, auf Motoryacht A, müsst Kurs und Geschwindigkeit beibehalten. Das ist wichtig, damit B eure Absicht klar erkennen kann.
Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen gelten übrigens eine ganze Reihe von Vorschriften. Dazu gehören die KVR, also die Kollisionsverhütungsregeln, die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, gegebenenfalls die Bekanntmachungen der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen Nord und Nordwest, und natürlich die jeweiligen Hafenordnungen. Ein komplexes Geflecht von Regeln, das ihr kennen müsst, um sicher unterwegs zu sein.
Wenn ihr als Sportfahrzeug einem Fahrwasser folgt, gibt es auch eine wichtige Regel: Ihr müsst euch so nahe am äußeren Rand des Fahrwassers an eurer Steuerbordseite halten, wie dies ohne Gefahr möglich ist. Das schafft Platz für größere Schiffe, die oft nicht so flexibel manövrieren können.
Und noch eine interessante Besonderheit: Wenn ihr als Motorsportfahrzeug ein anderes Sportfahrzeug schleppt, dann seid ihr verkehrsrechtlich nicht als "schleppendes Maschinenfahrzeug" im Sinne der KVR zu behandeln. Das bedeutet, ihr benötigt keine besondere Lichterführung oder Kennzeichnung für den Schleppvorgang. Das ist eine Erleichterung für uns Sportbootfahrer.
Abschließend in diesem Abschnitt noch ein wichtiger Punkt zum Umweltschutz: Was sind eigentlich Sondergebiete im Sinne des MARPOL-Übereinkommens in Europa? Ganz einfach: Die Ostsee, die Nordsee und das Mittelmeer. In diesen Gebieten gelten besonders strenge Vorschriften zum Schutz der Meeresumwelt, beispielsweise in Bezug auf die Einleitung von Abfällen oder Öl.
Alles im Griff: Seemannschaft für den Ernstfall
Nun kommen wir zur praktischen Seite des Segelns, zur Seemannschaft. Hier geht es darum, euer Schiff und eure Crew sicher zu beherrschen.
Stellt euch vor, ihr habt ein Rettungsfloß an Bord. Wisst ihr, wann es das nächste Mal gewartet werden muss? Ihr findet diese Information auf der runden, farbigen Serviceplakette, die auf dem Floß klebt, oder im Wartungszertifikat, das ihr bei der letzten Wartung erhalten habt. Regelmäßige Wartung ist lebenswichtig, damit das Floß im Notfall auch wirklich funktioniert.
Und habt ihr eure Crew schon in die Funktion des Bord-WCs eingewiesen? Klingt vielleicht banal, aber es ist wichtig! Durch unsachgemäße Bedienung kann nämlich Wasser ins Bootsinnere gelangen. Ein verstopftes oder falsch bedientes WC kann schnell zu einem ernsten Problem werden, das ihr bestimmt nicht haben wollt.
Manchmal müsst ihr ankern, habt aber nicht genug Platz, um die volle Kettenlänge zu stecken, zum Beispiel zwischen zwei Stegen. Wie könnt ihr trotzdem die Haltekraft eures Ankers erhöhen? Ganz einfach: mit einem Reitgewicht. Dieses Gewicht wird an der Ankerkette befestigt und zieht die Kette näher an den Grund, was den Anker besser am Boden hält und die Haltekraft deutlich verbessert.
Was gehört eigentlich in eure Segelreparatur-Ausrüstung? Ein Segelhandschuh, Segelnadeln, Segelgarn und Wachs sind essenziell. Eine Zange kann auch sehr hilfreich sein und selbstklebendes Segeltuch ist ein schneller Helfer für kleinere Risse. Mit dieser Ausrüstung könnt ihr unterwegs kleinere Schäden an euren Segeln selbst beheben und seid nicht auf fremde Hilfe angewiesen.
Betrachten wir mal die Vor- und Nachteile von Stahl als Baumaterial für Yachten. Stahl ist ein zuverlässiges und problemloses Material mit sehr hoher Festigkeit und langer Lebensdauer. Das sind die klaren Vorteile. Die Nachteile sind allerdings das hohe Gewicht und die Rostanfälligkeit. Eine Stahlyacht ist robust, aber auch schwer und benötigt regelmäßige Pflege, um Rost in Schach zu halten.
Und was ist, wenn die Fock Falten wirft, besonders am Vorliek? Die häufigste Ursache dafür ist, dass das Fall nicht genügend durchgesetzt ist. Das Fall ist die Leine, mit der ihr das Segel hochzieht. Wenn es nicht straff genug ist, kann sich das Segel nicht richtig entfalten und wirft Falten. Also, immer schön das Fall durchsetzen!
Bevor ihr euren eingebauten Motor anlasst, gibt es ein paar wichtige Schritte zu beachten. Zuerst den Hauptstromschalter einschalten. Dann die Kraftstoff- und Kühlwasserventile öffnen. Und ganz wichtig: Das Getriebe auf "neutral" stellen, sonst gibt es beim Starten eine böse Überraschung! Diese Routine schützt euren Motor und sorgt für einen reibungslosen Start.
Wenn ihr längsseits an einem Steg oder einem anderen Schiff liegt, ist das richtige Festmachen entscheidend. Ihr braucht eine Achterleine, eine Achterspring, eine Vorspring und eine Vorleine. Diese vier Leinen sind das Grundgerüst, um euer Schiff sicher zu vertauen und zu verhindern, dass es sich bewegt oder gegen den Steg schlägt.
Und habt ihr schon mal ein Bugstrahlruder benutzt? Das ist eine im Bug einer Yacht befindliche Röhre mit einem Propeller. Damit kann ein Querschub erzeugt werden, der es euch ermöglicht, den Bug eurer Yacht bei geringen Vorausgeschwindigkeiten seitlich zu bewegen. Eine unglaubliche Hilfe beim An- und Ablegen in engen Häfen, die euch viel Stress ersparen kann.
Die Launen des Himmels: Wetterkunde für Segler
Zum Schluss widmen wir uns dem Wetter, dem ständigen Begleiter und manchmal auch Gegner jedes Seglers.
Was ist eigentlich eine Front? Eine Front ist die vordere Grenze einer Luftmasse in Bewegungsrichtung. Im Allgemeinen unterscheiden wir Warm-, Kalt- und Okklusionsfronten. Jede dieser Fronten bringt unterschiedliche Wetterphänomene mit sich, die ihr als Segler kennen solltet. Eine Kaltfront kündigt sich oft mit kräftigen Schauern und Windböen an, während eine Warmfront eher sanfteren, aber länger anhaltenden Regen bringt.
Und wie stark ist eigentlich der Seewind? Im Mittelmeer kann der Seewind bis zu 25 Knoten oder 6 Beaufort erreichen. In der Nord- und Ostsee ist er meist etwas moderater, bis zu 15 Knoten, in Einzelfällen aber auch mal bis zu 20 Knoten oder 4 bis 5 Beaufort, selten auch 5 bis 6 Beaufort. Diese Werte sind wichtig, um eure Törnplanung anzupassen und zu wissen, ob ihr noch sicher unterwegs sein könnt.
Was bedeuten die Begriffe "rechtdrehender" und "rückdrehender" Wind? Rechtdrehend bedeutet, dass sich die Windrichtung im Uhrzeigersinn ändert. Rückdrehend hingegen bedeutet, dass sich die Windrichtung gegen den Uhrzeigersinn um mindestens 45 Grad ändert. Diese Winddrehungen sind wichtige Indikatoren für Wetteränderungen und können euch Hinweise auf herannahende Fronten geben.
Und was hat es mit der Dünung auf sich? Dünung ist Seegang, der dem erzeugenden Windfeld vorausläuft, oder auch abklingender, also alter Seegang. Wenn ihr auf See eine einsetzende hohe Dünung bemerkt, obwohl der Wind noch moderat ist, kann das ein wichtiger Hinweis sein. Eine solche Dünung kann nämlich einen eventuell aufziehenden Sturm andeuten, der noch weit entfernt ist.
Zum Abschluss noch ein Blick auf die Windrichtungsangaben in Seewetterberichten. Bei Vorhersagen und Aussichten wird oft die 8-teilige Skala mit einer Auflösung in 45-Grad-Stufen verwendet. Bei den Stationsmeldungen, also den aktuellen Beobachtungen, kommt die präzisere 16-teilige Skala mit einer Auflösung in 22,5-Grad-Stufen zum Einsatz. Achtet auf diese Unterschiede, um die Informationen richtig zu interpretieren.
Dein Weg zum sicheren Skipper
So, meine lieben angehenden Skipper, das war wieder eine spannende Reise durch wichtige Bereiche der SKS-Prüfung. Wir haben uns mit den unsichtbaren Helfern der Navigation wie AIS beschäftigt, gelernt, die Tragweite von Feuern zu verstehen und die Tücken von GPS-Ungenauigkeiten zu erkennen. Wir sind durch die Regeln des Seerechts navigiert, von der sicheren Geschwindigkeit bis zu den Besonderheiten der MARPOL-Sondergebiete. Und wir haben uns mit den praktischen Aspekten der Seemannschaft auseinandergesetzt, vom Rettungsfloß bis zum Bugstrahlruder, und dabei gelernt, wie man sein Schiff und seine Crew sicher beherrscht. Zuletzt haben wir uns den Launen des Wetters gewidmet, Fronten entschlüsselt und die Bedeutung von Dünung und Winddrehungen verstanden.
Jedes dieser Themen ist ein kleines Puzzleteil, das euch hilft, das große Bild des sicheren und verantwortungsvollen Segelns zu verstehen. Vergesst nicht: Theorie ist die Grundlage, aber die wahre Meisterschaft erlangt ihr durch Übung und Erfahrung auf See. Bleibt neugierig, bleibt wachsam und vor allem: Genießt jede Minute auf dem Wasser. Ich freue mich schon auf unser nächstes Kapitel! Bis dahin, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und haltet die Ohren steif!