Übungsbogen 2: Dein Kompass auf See – Navigation, Seerecht, Sicherheit und Wetter
Hallo und herzlich willkommen zurück an Bord! Stell dir vor, du bist gerade auf Deiner Yacht unterwegs, vielleicht auf dem Weg zur nächsten Bucht oder auf einem längeren Törn entlang der Küste. Die Sonne scheint, der Wind füllt die Segel – ein perfekter Segeltag. Doch auch an einem solchen Tag gibt es Dinge, die wir als verantwortungsvolle Skipper immer im Kopf haben müssen: Wo sind wir eigentlich genau? Was machen die anderen Schiffe um uns herum? Und was, wenn plötzlich ein Problem auftaucht, sei es ein technischer Defekt oder ein unerwarteter Wetterumschwung?
Genau darum geht es in unserem heutigen Kapitel. Wir tauchen ein in die Welt der Navigation, des Seerechts, der Seemannschaft und der Wetterkunde. All das sind Puzzleteile, die zusammen das Bild eines sicheren und gelungenen Törns ergeben. Mach es dir gemütlich, denn ich nehme dich mit auf eine Reise durch diese wichtigen Themen.
Dein Blick ins Unbekannte: Navigation und Orientierung
Stell dir vor, du näherst dich einer belebten Fahrrinne, vielleicht der Elbmündung, und plötzlich wird die Sicht schlechter. Leichter Nebel zieht auf. Was jetzt? Hier kommt dein Radar ins Spiel, dieses unglaubliche Auge, das durch die Dunkelheit und den Nebel blickt. Mit dem Radar kannst du nicht nur andere Schiffe sehen, sondern auch deinen eigenen Schiffsort bestimmen. Du peilst ein festes Objekt an, zum Beispiel eine Tonne oder eine Landmarke an Land, und erhältst so einen Peilstrahl – das ist deine erste Standlinie. Dann nutzt du den sogenannten VRM, den "Variable Range Marker", um den Abstand zu diesem Objekt zu messen. Und schwupps, hast du einen Abstandskreis als zweite Standlinie. Wo sich Peilstrahl und Abstandskreis schneiden, da bist du! Es ist wie eine unsichtbare Hand, die dich sicher durch das Ungewisse führt.
Apropos unsichtbare Hände: Kennst du AIS, das Automatische Identifikationssystem? Es ist eine fantastische Ergänzung zum Radar. Mit AIS siehst du auf deinem Plotter nicht nur die Positionen anderer Schiffe, sondern auch deren Namen, Kurse, Geschwindigkeiten und vieles mehr. Die Reichweite eines AIS-Bordgeräts ist dabei vergleichbar mit der Reichweite deines UKW-Funks. Bei einem großen Handelsschiff kannst du da schon mal mit 20 bis 30 Seemeilen rechnen. Aber Achtung, die tatsächliche Reichweite hängt stark von der Höhe deiner Antenne ab. Je höher die Antenne, desto weiter reicht dein elektronischer Blick über die Wellen.
Die Schätze der Seekarten und Handbücher
Doch nicht alles ist digital. Die gute alte Seekarte und die dazugehörigen Handbücher sind nach wie vor unverzichtbar. Stell dir vor, du planst einen Törn entlang der schwedischen Schärenküste. Da sind die Seehandbücher des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, kurz BSH, wahre Schatztruhen. Sie enthalten detaillierte Informationen zu Schifffahrtsangelegenheiten, den Naturverhältnissen der Region, eine umfassende Küstenkunde und natürlich Segelanweisungen, die dir helfen, die Besonderheiten des Reviers zu verstehen. Sie sind dein Reiseführer und dein Warnbuch in einem.
Und wo wir gerade bei Warnungen sind: Die "Bekanntmachungen für Seefahrer", kurz BfS, sind absolute Pflichtlektüre für jeden Skipper. Sie informieren über Änderungen an Schifffahrtswegen, Tonnenverlegungen, neue Wracks oder andere nautische Gefahren. Aber wie bekommst du diese wichtigen Informationen? Ganz einfach: Sie werden an amtlichen Aushangstellen veröffentlicht, zum Beispiel bei Wasser- und Schifffahrtsämtern, in Hafenverwaltungen oder an Schleusen. Und natürlich, wie könnte es anders sein, findest du sie auch jederzeit aktuell im Internet auf www.elwis.de. Es ist deine Verantwortung als Skipper, dich vor jedem Törn über diese Bekanntmachungen zu informieren, damit du nicht von unerwarteten Änderungen überrascht wirst.
Dein Navigationslogbuch: Die Spur im Wasser
Warum ist es eigentlich so wichtig, deine Position regelmäßig in die Seekarte einzutragen? Stell dir vor, du segelst in einem unbekannten Revier. Die Wind- und Strömungsverhältnisse können sich ändern, und ehe du dich versiehst, bist du ein Stück von deinem geplanten Kurs abgekommen. Durch das regelmäßige Eintragen deiner Position kannst du solche Abweichungen frühzeitig erkennen. Du siehst sofort, ob du vom Kurs abgekommen bist und kannst rechtzeitig korrigieren. Das erhöht nicht nur deine Sicherheit, sondern erspart dir auch so manches Mal unnötige Umwege und Ärger. Es ist dein persönliches Gedächtnis des Törns und ein wichtiges Werkzeug, um stets zu wissen, wo du bist und wo du hinwillst.
Die Sprache der Tonnen und Zeichen
Auf See sprechen wir eine eigene Sprache, die Sprache der Schifffahrtszeichen. Stell dir vor, du siehst eine weiße Fasstonne, eine Kugeltonne oder eine Stange mit einem gelben Kreuz, von oben gesehen rechtwinklig. Oder eine Stange mit einem breiten gelben Band. Was bedeuten diese Zeichen? Sie sind ein klares Signal: Hier ist Baden angesagt! Und genau deshalb gilt hier ein Fahrverbot für Maschinenfahrzeuge und Wassermotorräder. Respektiere diese Zeichen, denn sie schützen Schwimmer und Wassersportler und sorgen für ein friedliches Miteinander auf dem Wasser.
Karten und Gezeiten: Das Spiel mit den Tiefen
Ein ganz entscheidender Faktor in vielen Revieren ist die Gezeit. Das ewige Spiel von Ebbe und Flut verändert die Wassertiefe ständig. Wenn du auf deine Seekarte schaust, siehst du dort die Kartentiefe. Das ist die Tiefe, die bei einem bestimmten mittleren Niedrigwasserstand gemessen wurde. Aber du willst ja wissen, wie tief das Wasser jetzt gerade ist. Hier kommt die einfache Formel ins Spiel: Die tatsächliche Wassertiefe, die du hast, ist die Kartentiefe plus die aktuelle Höhe der Gezeit. Oder umgekehrt: Wenn du die Wassertiefe kennst und die Gezeitenhöhe abziehst, erhältst du die Kartentiefe. Es ist wichtig, dieses Zusammenspiel zu verstehen, besonders wenn du in Tidengewässern unterwegs bist, um nicht unerwartet auf Grund zu laufen.
GPS und DGPS: Präzision auf Knopfdruck
Die modernen Navigationssysteme sind wahre Wunderwerke. GPS, das Global Positioning System, ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auf See gibt es dir eine typische Genauigkeit von etwa 10 bis 20 Metern, und das mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Das ist schon beeindruckend. Aber es geht noch genauer! Wenn du ein DGPS-Gerät an Bord hast, also ein Differential GPS, dann wird die Genauigkeit auf 1 bis 10 Meter verbessert. Das ist besonders hilfreich in engen Fahrwassern oder bei der Ansteuerung von Häfen. Diese Präzision gibt dir ein enormes Maß an Sicherheit und Vertrauen in deine Navigation.
Die Regeln des Miteinanders: Seerecht
Auf See gibt es, genau wie auf der Straße, klare Regeln, um Kollisionen zu vermeiden und die Sicherheit aller zu gewährleisten. Diese Regeln sind im Seerecht festgelegt.
Manövrierbehinderte Fahrzeuge: Besondere Rücksichtnahme
Stell dir vor, du siehst ein Schiff, das offensichtlich mit einer besonderen Aufgabe beschäftigt ist. Das sind sogenannte "manövrierbehinderte Fahrzeuge". Sie haben aufgrund ihrer Tätigkeit nur eingeschränkte Möglichkeiten, auszuweichen. Dazu gehören zum Beispiel Tonnenleger, die gerade eine Tonne setzen, Kabelleger, die unter Wasser Leitungen verlegen, Bagger, die den Grund bearbeiten, oder auch Vermessungsfahrzeuge, die präzise Daten sammeln. Auch ein großer Schleppverband, bei dem das schleppende Fahrzeug und sein Anhang erheblich behindert sind, vom Kurs abzuweichen, zählt dazu. Diesen Fahrzeugen gebührt besondere Aufmerksamkeit und Respekt, denn sie können nicht einfach mal eben ausweichen.
Fahrt bei verminderter Sicht: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
Was tust du, wenn der Nebel dich einhüllt und die Sicht dramatisch sinkt? Als Skipper eines Maschinenfahrzeugs ohne Radar musst du deine Fahrweise anpassen. Das bedeutet, du fährst mit einer "sicheren Geschwindigkeit", die den gegebenen Umständen und Bedingungen der verminderten Sicht angepasst ist. Das kann bedeuten, dass du deutlich langsamer wirst, einen Ausguck aufstellst und deine Schallzeichen gibst. Es geht darum, jederzeit anhalten oder ausweichen zu können, um eine Kollision zu vermeiden.
Lichtzeichen bei Nacht: Ein Rätselspiel
Nachts auf See ist die Welt eine andere. Alles, was du siehst, sind Lichter. Stell dir vor, du segelst nachts mit raumem Wind und machst gute Fahrt. Plötzlich siehst du an Steuerbord voraus ein einzelnes weißes Licht, das in (nahezu) stehender Peilung ist. Das heißt, es ändert seine Position relativ zu dir kaum. Wenn du näherkommst, verschwindet das weiße Licht gelegentlich, und stattdessen siehst du in etwa gleicher Höhe und etwas links davon ein rotes Licht. Manchmal sind sogar kurzfristig beide Lichter gleichzeitig zu sehen. Was ist das denn?
Hier ist die Lösung: Du siehst das Hecklicht und/oder das Backbord-Seitenlicht eines anderen Segelfahrzeugs, das in Fahrt ist. Das Schiff giert im Seegang, schaukelt also hin und her, daher siehst du mal das eine, mal das andere Licht. Du näherst dich diesem Fahrzeug aus seinem Hecksektor und befindest dich gerade an der Grenze, wo du entweder das Hecklicht oder das Seitenlicht sehen kannst. In dieser Situation bist du das überholende Fahrzeug und musst ausweichen. Merke dir: Im Zweifel, wenn du nicht genau weißt, ob du überholst oder nicht, betrachte dich immer als Überholer und weiche aus. Sicherheit geht vor!
Seeschifffahrtsstraßen und Küstenmeer: Wo die Regeln gelten
Wo gelten all diese Regeln des Seerechts eigentlich? Die "Seeschifffahrtsstraßen" sind die Wasserflächen, die von der Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser oder der seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen bis zu einer Linie von drei Seemeilen seewärts der Basislinie reichen. Dazu gehören auch die durchgehenden lateralen Zeichen, also die Tonnen, die die seewärtigen Teile der Fahrwasser im Küstenmeer begrenzen, und bestimmte Wasserflächen zwischen den Ufern von Binnenwasserstraßen.
Das "Küstenmeer" wiederum ist der Bereich, der seewärts der Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser oder der Basislinie liegt und sich bis zu einer Breite von 12 Seemeilen erstreckt. In diesen Gebieten gelten die nationalen Gesetze und Vorschriften, und du musst dich als Skipper genau daran halten.
Signalkörper am Tage: Die Botschaft des Baggers
Auch am Tage gibt es Signale, die dir wichtige Informationen über andere Schiffe geben. Stell dir vor, du siehst auf der Elbe ein Fahrzeug mit schwarzen Signalkörpern, und du erkennst deutlich seine Bugwelle. Es trägt zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander und zwei schwarze Rhomben senkrecht übereinander. Was bedeutet das?
Dieses Fahrzeug ist ein manövrierbehindertes Fahrzeug mit Fahrt durchs Wasser, das Unterwasserarbeiten ausführt, zum Beispiel baggert. Die beiden schwarzen Rhomben übereinander zeigen dir die Passierseite an, hier an Backbord des Baggers. Die beiden schwarzen Bälle übereinander markieren die Seite, an der eine Passierbehinderung besteht, in diesem Fall die Steuerbordseite. Diese Signale sind entscheidend, um zu verstehen, wie du dich diesem Schiff nähern und es sicher passieren kannst.
Seeämter: Wenn es ernst wird
Manchmal passieren auf See auch Unfälle oder es kommt zu groben Regelverstößen. Dann kommen die Seeämter ins Spiel. Das sind Untersuchungsausschüsse, die bei den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen gebildet werden, um zu klären, ob ein Fahrverbot ausgesprochen oder ein Befähigungszeugnis, also dein Sportbootführerschein, entzogen werden muss. Es ist gut zu wissen, dass es diese Institutionen gibt, die für die Einhaltung der Regeln und die Sicherheit auf dem Wasser sorgen.
Dein Boot, deine Crew, deine Verantwortung: Seemannschaft
Als Skipper trägst du die Verantwortung für dein Schiff und deine Crew. Das bedeutet, dass du auf alles vorbereitet sein musst, was auf See passieren kann.
Der Ernstfall: Mensch über Bord!
Eines der schlimmsten Szenarien, die man sich vorstellen kann, ist ein "Mensch über Bord"-Manöver. Aber wenn es passiert, musst du sofort und richtig reagieren. Der erste, laute Ruf muss sein: "Mensch über Bord!" Dann wirfst du sofort Rettungsmittel zu, alles, was schwimmt und greifbar ist. Halte den Verunglückten immer im Auge, verliere ihn nicht aus den Augen! Starte sofort die Maschine und leite das "Mensch-über-Bord-Manöver" ein, um so schnell wie möglich zurück zum Verunglückten zu gelangen. Gib eine Notmeldung über Funk ab, werfe eine Markierungsblitzboje, um die Position zu markieren, und drücke die MOB-Taste deines satellitengestützten Navigationsgerätes. Und dann, ganz wichtig: Führe die Bergung sorgfältig und sicher durch. Jede Sekunde zählt in dieser Situation.
Feuer an Bord: Vorbeugen und Löschen
Feuer an Bord ist eine weitere große Gefahr. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Feuerlöscher an Bord zu haben und zu wissen, wo sie sind. Für Sportboote eignen sich ABC-Pulverlöscher, die für verschiedene Brandklassen geeignet sind. Für geschlossene Motorräume ist ein CO2-Löscher die bessere Wahl, da er rückstandsfrei löscht. Aber Vorsicht: CO2-Löscher dürfen nicht im Schiffsinneren untergebracht werden, da bei einer Leckage Erstickungsgefahr besteht. Die Löscher müssen gebrauchsfertig und leicht erreichbar sein, idealerweise in der Nähe von Maschinenräumen, der Kombüse oder der Koch- und Heizstelle.
Vor dem Auslaufen: Der Sicherheitscheck
Bevor du die Leinen loswirfst, ist ein umfassender Sicherheitscheck Pflicht. Hol dir den aktuellen Wetterbericht ein – das ist das A und O. Kontrolliere alle Sicherheitseinrichtungen: Sind die Schwimmwesten griffbereit? Funktionieren die Rettungsmittel? Überprüfe Motor und Schaltung, die nautischen Geräte, die Bilge. Sind genug Wasser und Kraftstoff an Bord? Funktionieren die Schall- und Lichtsignaleinrichtungen und die Navigationslichter? Und ganz wichtig: Lege die aktuellen Seekarten und nautischen Veröffentlichungen bereit. Mit dieser Routine gehst du sicher, dass du auf alles vorbereitet bist.
Seekrankheit: Ein unangenehmer Begleiter
Seekrankheit kann einen Törn schnell vermiesen. Als Skipper musst du wissen, wie du damit umgehst. Beaufsichtige Crewmitglieder, die seekrank sind, besonders im Cockpit, und sichere sie gegen Überbordfallen. Achte darauf, dass sie genug Flüssigkeit zu sich nehmen, am besten Wasser. Manchmal hilft es, wenn sie zur Küste oder zum Horizont schauen, um ihren Gleichgewichtssinn zu stabilisieren. Und manchmal lenkt es auch ab, wenn man sie mit kleinen, einfachen Arbeiten beschäftigt.
Ankern bei Starkwind: Die Haltekraft erhöhen
Du ankerst in einer schönen Bucht, und plötzlich frischt der Wind auf. Was tust du, um sicherzustellen, dass dein Anker hält? Ganz einfach: Mehr Ankerkette oder Trosse stecken! Je mehr Kette oder Trosse du steckst, desto flacher wird der Zug auf den Anker, und desto besser gräbt er sich in den Grund ein. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines Reitgewichts. Das ist ein Gewicht, das du an der Ankerkette oder Trosse befestigst und das dafür sorgt, dass der Zug noch flacher wird und der Anker noch besser hält.
Sichtbarkeit im Radar: Werde gesehen!
Gerade für kleinere Sportboote ist es wichtig, von größeren Schiffen im Radar gesehen zu werden. Wie kannst du deine Radarsichtbarkeit erhöhen? Die einfachste Methode ist ein passiver Radarreflektor, den du möglichst hoch und fest anbringst. Noch besser ist ein "aktiver" Radarreflektor, der das Radarsignal aktiv verstärkt und zurücksendet. Diese Geräte können im Ernstfall den Unterschied machen und helfen, Kollisionen zu vermeiden.
Lenzvorrichtungen: Wenn das Wasser kommt
Ein Wassereinbruch ist der Albtraum jedes Skippers. Deshalb muss jede seegehende Yacht über ausreichende Lenzvorrichtungen verfügen. Idealerweise sollten zwei voneinander unabhängige Bilgenpumpen an Bord sein. Eine davon sollte über Deck bedienbar sein, die andere unter Deck. Zusätzlich gehören zwei Pützen, also Eimer, mit Leinen zur Grundausstattung, um bei kleineren Wassereinbrüchen oder als Notlösung manuell lenzen zu können.
Großsegel trimmen: Die Kunst der Anpassung
Ein gut getrimmtes Segel ist nicht nur effizient, sondern auch sicher. Wann sollte ein Großsegel flach getrimmt sein? Ganz klar: bei Starkwind. Ein flaches Segel reduziert die Krängung des Bootes und den Druck auf das Rigg. Wie trimmst du es flach? Du holst den Unterliekstrecker und den Vorliekstrecker dicht, ziehst die Großschot an, setzt das Großfall durch, erhöhst die Spannung des Achterstags und fährst den Traveller nach Lee. All diese Maßnahmen zusammen sorgen dafür, dass dein Großsegel optimal an die Starkwindbedingungen angepasst ist.
Motorstörungen: Die ersten Anzeichen erkennen
Der Motor ist das Herz deines Bootes. Achte auf erste Anzeichen von Störungen, denn frühzeitig erkannt, lassen sich viele Probleme beheben, bevor sie ernst werden. Ungewöhnliche und fremde Motorengeräusche, Vibrationen, eine Verfärbung der Abgase, das Aufleuchten der Ladekontrolle oder der Öldruckkontrolle sowie entsprechende akustische Warnungen sind klare Hinweise, dass etwas nicht stimmt. Nimm diese Signale ernst und gehe der Ursache auf den Grund.
Der Himmel über uns: Wetterkunde
Das Wetter ist auf See dein ständiger Begleiter. Es kann Freund oder Feind sein, und deshalb ist es entscheidend, es zu verstehen.
Seewetterberichte: Deine Quelle der Information
Woher bekommst du zuverlässige Seewetterberichte? Für Europa sind das "Handbuch Nautischer Funkdienst" und der "Jachtfunkdienst" unverzichtbare Quellen. Wenn du weltweit unterwegs bist, ist die "Admiralty List of Radio Signals" dein Begleiter. Diese Publikationen enthalten Sendezeiten und Frequenzen, damit du immer Zugang zu den aktuellen Wetterinformationen hast.
Wolken: Die Zeichen am Himmel
Die Wolken am Himmel erzählen dir eine Geschichte. Man unterscheidet tiefe, mittelhohe und hohe Wolken. In den gemäßigten Breiten haben tiefe Wolken eine Höhe zwischen 0 und 2 Kilometern, mittelhohe Wolken zwischen 2 und 7 Kilometern und hohe Wolken zwischen 7 und 13 Kilometern. Wenn du lernst, die verschiedenen Wolkenformen und ihre Höhen zu deuten, kannst du oft schon vor dem offiziellen Wetterbericht eine Tendenz für die Wetterentwicklung erkennen.
Kaltfronten: Der schnelle Umschwung
Eine Kaltfront ist ein markantes Wetterereignis. Wie verhält sich typischerweise der Luftdruck davor, währenddessen und danach? Vor dem Durchzug einer Kaltfront bleibt der Luftdruck meist gleichbleibend oder fällt nur wenig. Während die Front dich passiert, erreicht der Luftdruck seinen tiefsten Wert. Und dann, nach dem Durchzug, steigt der Luftdruck wieder deutlich an. Dieses Wissen hilft dir, eine Kaltfront zu erkennen und dich auf die damit verbundenen Wetteränderungen vorzubereiten, die oft mit Winddrehungen und Schauern einhergehen.
Regionale Winde im Mittelmeer: Die Tücken der Küste
Das Mittelmeer ist bekannt für seine regionalen Winde, die beim küstennahen Segeln besonders beachtet werden müssen. Denke an den Mistral, einen starken, kalten Fallwind, der von Nordwesten bläst, oder den Scirocco, einen heißen, trockenen Wind aus der Sahara, der oft Sand mit sich führt. Die Bora ist ein tückischer, böiger Fallwind, der an der kroatischen Küste auftritt. Und dann sind da noch die Etesien oder Meltemi, die im Sommer in der Ägäis für kräftige Winde sorgen. Diese Winde können schnell und unvorhersehbar auftreten und erfordern besondere Aufmerksamkeit und Seemannschaft.
Troglage: Wenn der Wind rückdreht
Was passiert, wenn nach dem Durchzug einer Kaltfront auf der Nordhalbkugel der Wind rückdreht und der Luftdruck wieder fällt? Das ist ein klares Zeichen für eine Wetterverschlechterung. Meist musst du mit erneut auffrischendem Wind bis Sturmstärke rechnen. Diese Wetterlage nennt man eine Troglage. Sie ist gefährlich, weil sie oft unerwartet kommt und schnell zu extremen Bedingungen führen kann. Sei also immer wachsam, wenn der Wind nach einer Kaltfront wieder dreht und der Luftdruck fällt.
Dein sicherer Törn: Eine Zusammenfassung
Wir haben heute eine ganze Menge gelernt, von der präzisen Positionsbestimmung mit Radar und AIS über die genauen Regeln des Seerechts bis hin zu den wichtigen Sicherheitsvorkehrungen an Bord und dem Verständnis der komplexen Wetterphänomene. Jedes dieser Themen ist ein wichtiger Baustein für deine Sicherheit und deinen Erfolg als Skipper.
Denke daran: Navigation ist nicht nur das Ablesen von Geräten, sondern auch das Verstehen der Seekarte und der nautischen Handbücher. Seerecht ist das Miteinander auf dem Wasser, das Vermeiden von Gefahren und das Wissen um deine Rechte und Pflichten. Seemannschaft ist die Kunst, dein Schiff und deine Crew sicher zu führen, auf Notfälle vorbereitet zu sein und die Zeichen des Himmels zu lesen. Und Wetterkunde ist dein Fenster in die Zukunft, damit du immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hast.
Bleib neugierig, übe regelmäßig und vertiefe dein Wissen. Denn jeder sichere Törn beginnt mit einem gut vorbereiteten und informierten Skipper. Ich freue mich darauf, dich im nächsten Kapitel wieder an Bord begrüßen zu dürfen. Bis dahin: Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!