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Übungsbogen 3: Navigation, Seerecht, Seemannschaft und Wetter – Dein Wissen auf See

Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren spannenden Kapitel unserer Reise durch die Welt des Segelns und der Seefahrt. Stell dir vor, du stehst am Steuer deiner Yacht, der Horizont verschwimmt in der Ferne, die Gischt spritzt dir ins Gesicht. In diesem Moment ist dein Wissen dein bester Freund. Es ist das unsichtbare Segel, das dich sicher durch jede Situation trägt. Heute tauchen wir tief ein in die Geheimnisse der Navigation, die Gesetze der See, die Kunst der Seemannschaft und die Launen des Wetters. Bereit? Dann legen wir ab!

Unsichtbare Helfer und die Sprache der Seekarte: Navigation beherrschen

Wir starten unsere Erkundungstour mit der Navigation, dem Herzstück jeder Seereise. Du bist auf offener See, vielleicht sogar bei Nacht. Wie behältst du den Überblick, wenn ringsum nur Dunkelheit und Wellen sind? Hier kommt uns die moderne Technik zur Hilfe, aber auch althergebrachtes Wissen ist unerlässlich.

Stell dir vor, du segelst entlang einer vielbefahrenen Küste. Auf deinem Plotter siehst du plötzlich nicht nur deine eigene Position, sondern auch die Umrisse und Bewegungen anderer Schiffe in deiner Nähe, sogar weit entfernt. Das ist das Automatic Identification System, kurz AIS. Es ist wie ein sechster Sinn für Seeleute. Jedes Schiff, das mit einem solchen Gerät ausgerüstet ist, sendet automatisch seine Identität, Position, Kurs, Geschwindigkeit und vieles mehr. Und du empfängst diese Daten. Die Reichweite eines solchen AIS-Bordgerätes ist vergleichbar mit der deines UKW-Funkgeräts. Bei großen Handelsschiffen kannst du oft mit Reichweiten von 20 bis 30 Seemeilen rechnen. Diese Reichweite hängt stark von der Höhe deiner Antenne ab. Eine höhere Antenne sieht natürlich weiter.

Aber was, wenn die Reichweite nicht ausreicht, oder wenn sich Berge oder andere Hindernisse zwischen dir und einem weit entfernten Schiff befinden? Auch hierfür gibt es Lösungen. Landseitige Relaisstationen können die Signale auffangen und weiterleiten, ähnlich wie Funkmasten an Land. So können selbst abschattende Hindernisse umgangen und die Reichweite effektiv erhöht werden. AIS ist dein unsichtbarer Wachmann, der dir hilft, Kollisionen zu vermeiden und den Verkehr im Blick zu behalten.

Doch verlassen wir die digitale Welt für einen Moment und blicken auf den Ursprung vieler Positionsbestimmungen: das Global Positioning System, GPS. Es ist der Standard für die Positionsbestimmung auf See. Ein großer Vorteil von GPS ist, dass es weltweit funktioniert. Egal, wo du dich auf unserem Planeten befindest, du bekommst eine Positionsanzeige. Diese ist jederzeit verfügbar und der Positionsfehler ist so gering, dass du dich darauf verlassen kannst, wenn du nicht gerade auf den Zentimeter genau navigieren musst.

Doch Vorsicht: Wenn du deine GPS-Position in eine Seekarte einträgst, musst du unbedingt das sogenannte Kartendatum berücksichtigen. GPS nutzt ein ganz spezifisches Bezugssystem, das World Geodetic System 1984, kurz WGS 84. Ältere Seekarten oder Karten aus anderen Regionen können ein anderes Bezugssystem verwenden. Wenn du das nicht beachtest, kann deine angezeigte Position auf der Karte um etliche Meter oder sogar Seemeilen verschoben sein. Stell dir vor, du glaubst, du bist sicher im Fahrwasser, aber wegen eines falschen Kartendatums liegst du in Wirklichkeit schon auf Grund. Das wollen wir natürlich vermeiden!

Apropos Fahrwasser: Wie erkennst du eigentlich die Mitte eines Fahrwassers, besonders wenn es schmal ist und du bei Nacht oder schlechter Sicht navigierst? Hier kommen die sogenannten Torfeuer ins Spiel. Ein Torfeuer besteht aus zwei Feuern, die exakt gleich hoch sind, dieselbe Lichtstärke haben und die gleiche Kennung zeigen. Sie sind einander genau gegenüber, rechtwinklig zur Fahrwasserachse, und gleich weit von dieser Achse entfernt angeordnet. Wenn du diese beiden Feuer exakt übereinander siehst, weißt du, dass du dich genau in der Mitte des Fahrwassers befindest. Eine geniale und einfache Methode, um auch unter schwierigen Bedingungen sicher zu führen.

Während du navigierst, änderst du deinen Kurs und deine Geschwindigkeit. Dein Log misst dabei deine Fahrt durchs Wasser, also wie schnell dein Boot sich relativ zum umgebenden Wasser bewegt. Doch das ist nicht das Gleiche wie deine Fahrt über Grund, die für die Navigation in der Seekarte entscheidend ist. Warum? Weil der Strom, also die Wasserbewegung selbst, dein Boot zusätzlich verschiebt. Wenn du also deine Fahrt durchs Wasser vom Log abliest und damit deine Position in der Karte bestimmen willst, musst du unbedingt die Stromrichtung und die Stromgeschwindigkeit berücksichtigen. Nur so erhältst du deine wahre Fahrt über Grund und damit eine genaue Vorhersage, wo du sein wirst.

Und da wir gerade von Strömungen sprechen: Es gibt Phänomene, die uns die Natur manchmal rätselhaft erscheinen lassen. Hast du dich schon mal gefragt, warum es in bestimmten Gebieten, wie der Nordsee oder dem Englischen Kanal, manchmal nur ein Hoch- oder Niedrigwasser pro Tag gibt? Das liegt an der Umlaufzeit des Mondes um die Erde. Ein sogenannter Mondtag dauert im Mittel 24 Stunden und 50 Minuten, im Gegensatz zu unserem Sonnentag mit 24 Stunden. Durch diese Verschiebung "rutscht" das letzte Hoch- oder Niedrigwasser des einen Tages manchmal in den nächsten Tag, sodass es an manchen Tagen nur einmal eintritt. Die Gezeiten sind ein komplexes, aber faszinierendes Zusammenspiel von Mond und Sonne.

Schließlich noch ein Wort zur Ausrüstung: Dein Kompass ist ein unverzichtbares Navigationsinstrument. Er zeigt dir immer die Richtung an. Aber auch ein Kompass braucht Pflege und Kontrolle. Regelmäßige Kompasskontrollen sind erforderlich, um seine Funktionsfähigkeit zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Werte in der Ablenkungstabelle, die eventuelle Abweichungen durch magnetische Einflüsse an Bord korrigiert, noch stimmen. Ein Kompass, dem du nicht vertrauen kannst, ist schlimmer als gar keiner.

Und woher bekommst du all die wichtigen Informationen über Änderungen an der Befeuerung, neue Wracks oder militärische Übungen, die deine Route beeinflussen könnten? Dafür gibt es die Bekanntmachungen für Seefahrer, kurz BfS. Sie unterrichten dich über Änderungen an Befeuerung, Betonnung und Landmarken, über veränderte Wassertiefen, Wracks, Schifffahrtshindernisse, Rohrleitungen, Bau- und Baggerarbeiten oder auch militärische Übungen mit damit verbundenen Sperrungen oder Behinderungen. Die BfS sind deine tägliche Pflichtlektüre vor der Abfahrt, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Regeln auf See: Das Seerecht verstehen

Nachdem wir uns durch die Welt der Navigation gearbeitet haben, wechseln wir nun zu den Regeln, die das Zusammenleben auf See ordnen: dem Seerecht. Es ist wie die Straßenverkehrsordnung, nur eben für Wasserfahrzeuge, und es ist international gültig.

Stell dir vor, du bist mit deiner Motoryacht unterwegs und siehst am Tage ein Fahrzeug mit einem schwarzen Rhombus, also einer Raute. Dahinter, in gleichbleibendem Abstand, siehst du ein weiteres Fahrzeug mit dem gleichen Signalkörper. Was ist das? Ganz klar: Das ist ein Schleppverband, und zwar ein ziemlich langer, über 200 Meter, gemessen vom Heck des Schleppers bis zum Heck des Anhangs. Bei Nacht führt der Schlepper drei weiße Topplichter senkrecht übereinander, dazu Seitenlichter, ein Hecklicht und das gelbe Schlepplicht über dem Hecklicht. Der Anhang führt lediglich Seitenlichter und ein Hecklicht. Das Wissen um diese Lichter und Signalkörper ist entscheidend, um die Absichten und die Art der anderen Schiffe zu erkennen.

Die Internationalen Kollisionsverhütungsregeln, kurz KVR, sind das Herzstück des Seerechts. Sie regeln das Verhalten bei Kollisionsgefahr. Eine der wichtigsten Regeln ist das Ausguckhalten. Es muss jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere verfügbare Mittel, etwa Radar oder AIS, gehöriger Ausguck gehalten werden. Das Ziel ist ein vollständiger Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes. Du musst wachsam sein, immer und überall.

Aber die KVR sind nicht starr. Bei ihrer Auslegung und Befolgung sind stets alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie alle besonderen Umstände, einschließlich Behinderungen der betroffenen Fahrzeuge, gebührend zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass zum Abwenden unmittelbarer Gefahr gegebenenfalls auch ein Abweichen von den Regeln erforderlich sein kann. Stell dir vor, du bist kurshaltepflichtig, aber der Ausweichpflichtige handelt nicht angemessen und es kommt zu einer unmittelbaren Gefahr. Dann musst du reagieren, auch wenn das bedeutet, von deiner Kurshaltepflicht abzuweichen, um eine Kollision zu verhindern. Sicherheit geht immer vor.

Manchmal gerät man in eine wirklich brenzlige Situation. Stell dir vor, du bist mit deiner 8 Meter langen Motoryacht nachts in der Nordsee unterwegs, und plötzlich bist du manövrierunfähig. Ein großes Fahrzeug kommt direkt auf dich zu. Was tust du? Zunächst einmal musst du deine Manövrierunfähigkeit anzeigen. Wenn du keine zwei roten Rundumlichter senkrecht übereinander führen kannst, musst du andere verfügbare Mittel nutzen: über UKW-Sprechfunk, mit einem Schallsignal wie lang-kurz-kurz, oder einem Lichtsignal in derselben Abfolge. Bei weiterer Annäherung leuchte das andere Fahrzeug mit einer starken Handlampe an, um auf dich aufmerksam zu machen. Du könntest auch ein weißes Rundumlicht führen, das mit keinem anderen Licht verwechselt werden kann, oder ein Signal wie "weißer Stern" oder "Blitz-Knall" abfeuern. Und ganz wichtig: Informiere sofort die Verkehrszentrale, falls eine in deiner Nähe ist.

Ein weiteres, sehr ernstes Signal, das du vielleicht hören könntest, ist das sogenannte Bleib-weg-Signal: ein Schallsignal kurz-lang, das fortwährend gegeben wird. Dieses Signal wird von einem Fahrzeug gegeben, bei dem bestimmte gefährliche Güter oder radioaktive Stoffe frei werden oder zu werden drohen, oder wenn Explosionsgefahr besteht. Wenn du dieses Signal hörst, musst du dich mit deinem Fahrzeug möglichst weit von dem anderen Fahrzeug entfernen, einen sicheren Abstand einhalten. Keine elektrischen Schalter bedienen, kein offenes Feuer entzünden. Es geht um deine Sicherheit und die aller anderen.

Und was ist mit dem Umweltschutz? Auf Sportfahrzeugen fällt auch ölhaltiges Bilgenwasser an. Was machst du damit? Ganz einfach: Wenn die Bedingungen, unter denen nach dem MARPOL-Übereinkommen das Lenzen zulässig ist, nicht eingehalten werden können – und das ist auf Sportbooten fast immer der Fall – dann muss dieses Bilgenwasser im Hafen entsorgt werden. Es gibt spezielle Auffangstationen dafür. Die Meere sind keine Müllkippe!

Zum Schluss noch ein geografischer Begriff aus dem Seerecht: die Basislinie. Diese Linie trennt die inneren Gewässer eines Staates vom Küstenmeer. Sie ist entscheidend, um den Geltungsbereich von nationalen und internationalen Gesetzen zu bestimmen. Du findest diese Basislinien in Seekarten eingezeichnet. Sie sind wichtig für die Navigation und das Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Das Boot und die Elemente: Seemannschaft beweisen

Wir wechseln nun zu den praktischen Fertigkeiten, die dich zu einem kompetenten Schiffsführer machen: der Seemannschaft. Hier geht es um den Umgang mit dem Boot, die Sicherheit an Bord und das richtige Verhalten in schwierigen Situationen.

Stell dir vor, du bist mit deiner Segelyacht im freien Seeraum, und ein Sturm zieht auf. Was tust du, um ihn abzuwettern? Es gibt verschiedene Strategien. Eine Möglichkeit ist das Beiliegen, bei dem du das Boot so trimmst, dass es sich ruhig in den Wellen bewegt und die Segel kaum Wind fangen. Eine andere Option ist das Lenzen vor Topp und Takel, wobei du Leinen achteraus schleppst, um die Fahrt zu verringern und das Heck in den Wellen zu stabilisieren. Oder du liegst vor einem Treibanker, der das Boot mit dem Bug in die Wellen dreht. Wenn die Bedingungen es zulassen, kannst du auch unter Sturmbesegelung aktiv segeln und versuchen, brechende Seen auszusteuern. Jede Situation erfordert eine eigene Entscheidung, aber das Wichtigste ist, vorbereitet zu sein.

Sicherheit an Bord ist oberstes Gebot. Welche Feuerlöscheinrichtungen sollten an Bord vorhanden sein? Nun, ein oder mehrere Feuerlöscher sind Pflicht. Am besten ABC-Pulverlöscher, vielleicht ergänzt durch einen CO2-Löscher für bestimmte Brandarten. Eine Pütz, also ein Wassereimer, ist immer gut, um Brände fester Stoffe zu löschen. Eine Feuerlöschdecke kann bei kleineren Bränden, zum Beispiel in der Pantry, Wunder wirken. Und für geschlossene Motorräume ist ein Löschdurchlass ideal, der das Löschen mit CO2-Löschern ohne Sauerstoffzutritt ermöglicht. So kannst du einen Brand im Motorraum bekämpfen, ohne ihn noch weiter anzuheizen.

Apropos Brände: Flüssiggas, wie Propan oder Butan, das viele zum Kochen an Bord verwenden, ist besonders gefährlich. Es ist schwerer als Luft und sinkt daher nach unten. Wenn es entweicht, sammelt es sich in den tiefsten Bereichen des Schiffes, zum Beispiel in der Bilge. Dort bildet es mit Luft ein explosives Gemisch. Nur ein kleiner Funke, und schon kann es zu einer Explosion kommen. Deshalb ist höchste Vorsicht im Umgang mit Flüssiggas geboten, regelmäßige Kontrollen der Anlage und gute Belüftung sind unerlässlich.

Manchmal kommt es zu einem Notfall, der nicht allein bewältigt werden kann. Wann dürfen Notzeichen gegeben werden? Nur nach Feststellung des Notfalls und auf Anordnung des Schiffsführers. Es muss eine unmittelbare Gefahr für das Schiff oder die Besatzung bestehen, die ohne fremde Hilfe nicht überwunden werden kann. Notzeichen sind kein Spielzeug, sondern ein ernstzunehmendes Signal an die Welt, dass du in großer Not bist.

Und wie verhältst du dich, wenn ein großes Schiff auf dein Sportboot zukommt? Du musst dir bewusst sein, dass große Schiffe eine ganz andere Manövrierfähigkeit haben. Sie haben größere Drehkreise und längere Stoppstrecken. Ihre Sicht kann eingeschränkt sein, besonders nach voraus, und du könntest dich leicht in ihrem Radarschatten befinden und übersehen werden. Ihre Bugwellen können dein kleines Boot erheblich beeinträchtigen, und die Windabdeckung durch das große Schiff kann deine eigene Manövrierfähigkeit reduzieren. Respektiere die Größe und träge Masse dieser Schiffe und halte dich fern.

Die Stabilität deines Schiffes ist entscheidend für seine Sicherheit. Wovon hängt sie ab? Zum einen von seiner Geometrie, also der Form des Rumpfes. Zum anderen von der Gewichtsverteilung im Schiff, also der Position von Ausrüstung, Crew und Ballast. Wenn das Gewicht zu hoch oder falsch verteilt ist, kann die Stabilität leiden. Äußere Momente, die die Stabilität beanspruchen, sind zum Beispiel krängende Momente durch Seitenwind, der das Boot zur Seite drückt, oder der Trossenzug beim Schleppen. Auch eine schnelle Drehkreisfahrt bei Motoryachten kann die Stabilität auf die Probe stellen.

Als Segler ist der Wind unser Motor. Aber wie verhält sich der Wind, den wir spüren, der sogenannte scheinbare Wind, wenn eine Bö einfällt? Stell dir das mit einem Vektorparallelogramm vor: Der wahre Wind (wW) und dein Fahrtwind (Fw) ergeben zusammen den scheinbaren Wind (sW), den du auf dem Boot spürst. Wenn nun eine Bö einfällt, also der wahre Wind zunimmt, dann verändert sich die Richtung des scheinbaren Windes. Er fällt etwas achterlicher ein, er "raumt". Das ist ein Vorteil beim Kreuzen, denn es bedeutet, dass du etwas höher an den wahren Wind gehen kannst, also einen besseren Kurs fahren kannst, um dein Ziel gegen den Wind zu erreichen.

Und zum Schluss noch ein praktischer Tipp: Wie legst du dein Boot fest, wenn die Pier mit vorspringenden Pfählen versehen ist? Hier kommen Fender und ein Fenderbrett ins Spiel. Du bringst das Fenderbrett zwischen den Pfählen und deinem Rumpf an. Dann hängst du die Fender an das Fenderbrett, sodass sie das Boot vor den Pfählen schützen. Mit den richtigen Leinen, einer Vorleine, einer Achterleine und eventuell Springleinen, sicherst du dein Boot so, dass es nicht gegen die Pfähle schlägt. Eine Skizze würde es verdeutlichen, aber stell dir vor, wie die Fender wie ein schützender Puffer zwischen deinem Boot und den rauen Pfählen wirken.

Die Launen der Natur: Wetterkunde verstehen

Zu guter Letzt wenden wir uns dem Wetter zu, dem unberechenbarsten, aber auch faszinierendsten Element unserer Seereise. Das Wetter zu verstehen, ist der Schlüssel zu einer sicheren und angenehmen Fahrt.

Wenn du eine Wetterkarte betrachtest, siehst du Linien, die sogenannte Isobaren. Was verraten sie dir? Die Isobaren verbinden Orte gleichen Luftdrucks. Aus ihrer Darstellung kannst du die Windrichtung und das Druckgefälle erkennen. Das ist entscheidend: Je enger diese Isobaren beieinander liegen, desto größer ist das Druckgefälle und desto stärker weht der Wind. Stell dir vor, du schaust auf die Karte und siehst, wie sich die Linien verdichten – ein sicheres Zeichen für zunehmenden Wind.

Doch aufgepasst: Seewetterberichte können nicht alle lokalen Effekte berücksichtigen, die das vorherrschende Windfeld stark verändern können. Dazu gehören Phänomene wie die Land- und Seewind-Zirkulation, die sich besonders an Küsten bemerkbar macht, oder auch Düsen- und Kapeffekte, bei denen der Wind durch Engstellen oder um Landvorsprünge herum beschleunigt wird. Diese lokalen Besonderheiten musst du selbst beobachten und in deine Planung einbeziehen.

Und wenn du am Ende eines Seewetterberichts die Stationsmeldungen hörst, sei vorsichtig bei der Interpretation. Die Windrichtung und -geschwindigkeit, die an Land gemessen werden, können von den Verhältnissen auf See abweichen. Die Umgebung der Wetterstation, zum Beispiel Gebäude oder Hügel, kann die Windrichtung verfälschen. Die Windgeschwindigkeit ist meist reduziert, kann aber in Einzelfällen auch erhöht sein, wenn die Station an einer exponierten Stelle liegt. Vertraue auf See lieber den Seewettervorhersagen und deinen eigenen Beobachtungen.

Welche Gefahren kann ein Gewitter mit sich bringen? Gewitter sind eine der gefürchtetsten Wettererscheinungen für Seeleute. Sie bringen Böen bis Orkanstärke mit sich, plötzliche Winddrehungen, starke Regen- oder Hagelschauer, die die Sicht drastisch mindern können, und natürlich die Gefahr von Blitzschlägen. Ein Gewitter muss immer ernst genommen werden.

Und zum Schluss noch eine besondere Nebelart: der Warmwassernebel. Wie entsteht er? Kalte Luft strömt über warmes Wasser. Die kalte Luft nimmt Feuchtigkeit von der warmen Wasseroberfläche auf. Wenn die Temperaturdifferenz zwischen Luft und Wasser hoch genug ist, kommt es zu einer Feuchtesättigung, und Nebel bildet sich. Diese Art von Nebel tritt in europäischen Gewässern bevorzugt im Herbst auf, wenn das Wasser noch relativ warm ist, aber die ersten kalten Luftmassen über das Meer ziehen.

Dein Weg zum sicheren Schiffsführer

Wir haben heute eine weite Reise hinter uns gebracht, von den unsichtbaren Daten des AIS bis zu den tückischen Böen eines Gewitters. Du hast gelernt, wie wichtig es ist, das Kartendatum zu beachten, wenn du deine GPS-Position in die Seekarte einträgst, und wie ein Torfeuer dir den Weg weist. Wir haben die Regeln der KVR durchleuchtet und die besonderen Gefahren von Flüssiggas an Bord besprochen. Und du weißt nun, wie du einen Sturm abwettern kannst oder was Isobaren über den Wind verraten.

Dieses Wissen ist nicht nur für die Prüfung wichtig. Es ist das Fundament, auf dem deine Sicherheit und die deiner Crew auf See ruhen. Jedes Detail, jede Regel, jede Beobachtung trägt dazu bei, dass du ein umsichtiger und kompetenter Schiffsführer wirst. Mach dir diese Inhalte zu eigen, stell dir die Situationen vor und übe sie in Gedanken durch. Denn auf See gibt es keine Generalprobe. Es zählt das, was du im entscheidenden Moment weißt und tust.

Ich hoffe, diese Reise durch die Welt des SKS hat dir gefallen und dich deinem Ziel, ein sicherer und versierter Segler zu werden, einen großen Schritt nähergebracht. Bis zum nächsten Mal und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Übungsfragen zu diesem Bogen

30 Fragen aus Navigation, Schifffahrtsrecht, Seemannschaft und Wetterkunde

Kurzantwort
GPS nutzt WGS 84, Kartendatum kann abweichen. Falsches Datum führt zu Positionsfehlern.
Musterantwort
Weil sich das von GPS verwendete Bezugssystem WGS 84 (World Geodetic System 1984) von anderen verwendeten Bezugssystemen (Kartendatum) unterscheiden kann.
Kurzantwort
Torfeuer markieren die Mitte eines Fahrwassers.Zwei Feuer, gleiche Höhe/Stärke/Kennung
Musterantwort
Ein Torfeuer besteht aus zwei Feuern gleicher Höhe, gleicher Lichtstärke und gleicher Kennung, die zu beiden Seiten der Fahrwasserachse einander genau gegenüber (rechtwinklig zur Fahrwasserachse) und von der Fahrwasserachse gleich weit entfernt angeordnet sind.
Kurzantwort
- Änderungen an Befeuerung, Betonnung, Landmarken - Veränderte Wassertiefen - Wracks, Hindernisse, Rohrleitungen - Bau-/Baggerarbeiten - Militärische Übungen, Sperrungen
Musterantwort
Änderungen an Befeuerung, Betonnung und Landmarken, veränderte Wassertiefen, Wracke, Schifffahrtshindernisse, Rohrleitungen usw. , Bauarbeiten, Baggerarbeiten, militärische Übungen und damit zusammenhängende Sperrungen oder Behinderungen.
Kurzantwort
Loggen liefern "Fahrt durchs Wasser (FdW)" Stromrichtung und -geschwindigkeit muß berücksichtigt werden für "Fahrt über Grund (FüG)".
Musterantwort
Die üblichen Logmethoden liefern ausschließlich die "Fahrt durchs Wasser ( FdW )". Um die "Fahrt über Grund ( FüG )" zu ermitteln, müssen Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit berücksichtigt werden.
Kurzantwort
Funktionsfähigkeit, um Werte der Ablenkungstabelle überprüfen
Musterantwort
Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Kompasses und der Werte in der Ablenkungstabelle.
Kurzantwort
Letztes Hochwasser/Niedriegwasser rutscht in nächsten Tag. (Mondtag hat 24h 50min)
Musterantwort
Die Umlaufzeit des Mondes um die Erde dauert im Mittel 24 h 50 min. (Mondtag) gegenüber dem Sonnentag (= 24 h). Deshalb "rutscht" das letzte HW oder NW zeitweise in den nächsten Tag.
Kurzantwort
global, jederzeit verfügbar, geringer Positionsfehler
Musterantwort
GPS arbeitet weltweit. Die Positionsanzeige ist jederzeit verfügbar. Der Positionsfehler ist gering.
Kurzantwort
UKW-Reichweite. Ca. 20-30 sm bei Handelsschiffen. Abhängig von Antennenhöhe.
Musterantwort
Die Reichweite und Ausbreitungsbedingungen entsprechen denen von UKW. Bei Handelsschiffen kann man von 20 bis 30 sm ausgehen. Die Reichweite ist abhängig von der Antennenhöhe.
Kurzantwort
Reichweite kann unter bestimmten Umständen mit "Relaisstationen" erhöht werden, Hindernisse können umgangen werden.
Musterantwort
Unter bestimmten Umständen kann die Reichweite heraufgesetzt werden (z. B. mit Hilfe von "Relaisstationen"), wobei ggf. auch abschattende Hindernisse umgangen werden können.
Kurzantwort
Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie Behinderungen betroffener Fahrzeuge müssen berücksichtigt werden. Abweichen von Regeln möglich, z. B. bei unmittelbarer Gefahr.
Musterantwort
Bei der Auslegung und Befolgung der KVR sind stets alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie alle besonderen Umstände einschließlich Behinderungen der betroffenen Fahrzeuge gebührend zu berücksichtigen, die zum Abwenden unmittelbarer Gefahr ggf. auch ein Abweichen von diesen Regeln erfordern können ( z. B. Abweichen von der Kurshaltepflicht, wenn der Ausweichpflichtige nicht angemessen handelt).
Kurzantwort
1: Schleppverband über 200m 2: Schlepper: 3 Topplichter, Seitenlichter, Hecklicht, gelbes Schlepplicht. Anhang: Seitenlichter, Hecklicht.
Musterantwort
Es handelt sich um einen Schleppverband länger als 200 m (Heck des Schleppers - Heck des Anhangs). Der Schlepper führt nachts drei weiße Topplichter senkrecht übereinander, Seitenlichter, Hecklicht und das gelbe Schlepplicht über dem Hecklicht. Der Anhang führt Seitenlichter und Hecklicht.
Kurzantwort
Durch Sehen, Hören und alle verfügbaren Mittel einen vollständigen Überblick über Situation und Gefahren verschaffen.
Musterantwort
Es muss jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere verfügbare Mittel gehöriger Ausguck gehalten werden, der einen vollständigen Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes gibt.
Kurzantwort
UKW, Schallsignal (lang-kurz-kurz), Handlampe, weißes Rundumlicht, Notsignal (weißer Stern/Blitz-Knall), Verkehrszentrale informieren.
Musterantwort
Ein Fahrzeug von weniger als 12 m Länge, das die zwei roten Rundumlichter senkrecht übereinander nicht führt, muss folgende Maßnahmen ergreifen: Durch jedes andere verfügbare Mittel anzeigen, dass es manövrierunfähig ist, z. B. über UKW -Sprechfunk oder durch ein Schallsignal oder das Lichtsignal lang-kurz-kurz. Bei weiterer Annäherung das andere Fahrzeug mit einer starken Handlampe anleuchten und so auf sich aufmerksam machen. Führen eines weißen Rundumlichtes, das mit keinem anderen Licht verwechselt werden kann. Abfeuern eines Signals "weißer Stern" oder "Blitz-Knall". Sofort bei Eintritt der Manövrierunfähigkeit Verkehrszentrale informieren (wenn vorhanden).
Kurzantwort
Bleib-weg-Signal bei bestimmten Gefahrgütern oder Explosionsgefahr. Sicherheitsabstand einhalten, keine elektrischen Schalter bedienen, kein offenes Feuer
Musterantwort
Es handelt sich um das Bleib-weg-Signal, das von einem Fahrzeug gegeben wird, bei dem bestimmte gefährliche Güter oder radioaktive Stoffe frei werden oder drohen frei zu werden oder es besteht Explosionsgefahr. Man hat sich mit seinem Fahrzeug möglichst weit von dem anderen Fahrzeug zu entfernen (sicherer Abstand) und darf keine elektrischen Schalter bedienen. Kein offenes Feuer.
Kurzantwort
Grenze zwischen inneren Gewässer und dem Küstenmeer, findet man in Seekarten
Musterantwort
Als Basislinie bezeichnet man die Grenze zwischen den inneren Gewässern (eines Staates) und dem Küstenmeer. Basislinien sind in Seekarten eingezeichnet.
Kurzantwort
im Hafen entsorgen
Musterantwort
Es muss im Hafen entsorgt werden.
Kurzantwort
Böen, plötzliche Winddrehungen. Regen mit starker Sichtminderung, Blitzschlag
Musterantwort
Böen bis Orkanstärke, plötzliche Winddrehungen, Regen- oder Hagelschauer mit zum Teil starker Sichtminderung, Blitzschlag.
Kurzantwort
Windrichtung und Druckgefälle. Je enger sie liegen, desto stärker ist der Wind.
Musterantwort
Windrichtung und Druckgefälle; je enger sie liegen, desto größer ist das Druckgefälle und desto stärker ist der Wind.
Kurzantwort
Land-/Seewind-Zirkulation, Düsen- und Kapeffekte
Musterantwort
U. a. Land-/Seewind-Zirkulation, Düsen- und Kapeffekte.
Kurzantwort
Umgebung Wetterstation verfälscht Windrichtung, Windgeschwindigkeit meist reduziert, in Einzelfällen erhöht
Musterantwort
Durch die Umgebung der Wetterstation kann die Windrichtung verfälscht werden. Die Windgeschwindigkeit ist meist reduziert, in Einzelfällen auch erhöht.
Kurzantwort
Kalte Luft strömt über warmes Wasser, Feuchtesättigung durch Verdunstung, hauptsächlich im Herbst.
Musterantwort
Kalte Luft strömt über warmes Wasser. Durch Verdunstung an der Wasseroberfläche kommt es bei hoher Differenz zwischen der Luft- und Wassertemperatur zur Feuchtesättigung. Überwiegend im Herbst.
Kurzantwort
Flüssiggas sinkt nach unten und bildet mit Luft ein explosives Gemisch.
Musterantwort
Es ist schwerer als Luft, sinkt nach unten und bildet mit Luft ein explosives Gemisch; es kann sich im Schiffsinneren (z. B. in der Bilge) sammeln.
Kurzantwort
hängt von seiner Geometrie und Gewichtsverteilung ab. Beispiele für Beanspruchungen sind Seitenwind, Trossenzug und Drehkreisfahrt.
Musterantwort
Die Stabilität eines Schiffes hängt ab von: seiner Geometrie (Form), der Gewichtsverteilung im Schiff (Ausrüstung, Crew, Ballast). Beispiele für eine Beanspruchung der Stabilität sind krängende Momente durch Seitenwind, Trossenzug oder Drehkreisfahrt bei schnellen Motoryachten.
Bild zu S41 Bild zu S41
Kurzantwort
Bei Einfall einer Bö raumt der "scheinbare Wind", wodurch das Boot höher an den "wahren Wind" gehen kann. Zeichnung !
Musterantwort
Verhältnisse vor Einfall der Bö Verhältnisse bei Einfall der Bö: Der "scheinbare Wind" fällt etwas achterlicher ein, er "raumt", und das Segelboot kann etwas höher an den "wahren Wind" gehen.
Kurzantwort
dient zum Ein- und Auskuppeln sowie zur Drehzahluntersetzung des Propellers
Musterantwort
Zum Ein- und Auskuppeln des Propellers, zum Umsteuern des Propellers auf Rückwärtsfahrt, zur Drehzahluntersetzung.
Bild zu S79
Kurzantwort
Lösung erfordert eine Zeichnung
Musterantwort
Kurzantwort
Durch Beiliegen, Lenzen vor Topp und Takel, Leinen achteraus schleppen, Liegen vor Treibanker oder unter Sturmbesegelung aktiv segelnd, brechende Seen aussteuernd.
Musterantwort
Durch Beiliegen; Lenzen vor Topp und Takel, dabei Leinen achteraus schleppen; Liegen vor Treibanker oder unter Sturmbesegelung aktiv segelnd und nach Möglichkeit brechende Seen aussteuernd.
Kurzantwort
Feuerlöscher (ABC-Pulver/CO2), Pütz, Feuerlöschdecke, Löschdurchlass (Motorraum)
Musterantwort
Feuerlöscher ( ABC -Pulverlöscher und eventuell CO2 2 -Löscher), Pütz zum Löschen von Bränden fester Stoffe, Feuerlöschdecke, Löschdurchlass für geschlossene Motorräume, der das Löschen von Bränden mit CO 2 -Löschern ohne Sauerstoffzutritt ermöglicht.
Kurzantwort
Im Notfall auf Anordnung des Schiffsführers; bei Gefahr für das Schiff oder die Besatzung, die ohne Hilfe nicht überwunden werden kann.
Musterantwort
Nach Feststellung des Notfalls auf Anordnung des Schiffsführers; bei unmittelbarer Gefahr für das Schiff oder die Besatzung, die ohne fremde Hilfe nicht überwunden werden kann.
Kurzantwort
Andere Manövrierfähigkeit Eingeschränkte Sicht Möglichkeit des Übersehenwerdens Beeinträchtigung durch Bugwellen Mögliche Beeinträchtigung der eigenen Manövrierfähigkeit durch Windabdeckung
Musterantwort
Andere Manövrierfähigkeit (größere Drehkreise, längere Stoppstrecken), u. U. eingeschränkte Sicht des anderen Fahrzeugs, insbesondere nach voraus, Möglichkeit des Übersehenwerdens, weil man sich im Radarschatten befindet, Beeinträchtigung durch Bugwellen des großen Schiffes, mögliche Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit des eigenen Bootes durch Windabdeckung.
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