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Übungsbogen 10: Navigation im Detail, Seerecht und die Geheimnisse des Wetters

Hallo und herzlich willkommen zurück an Bord! Heute nehmen wir dich mit auf eine spannende Reise durch die Tiefen der Navigation, tauchen ein in die Feinheiten des Seerechts und entschlüsseln die Botschaften des Wetters. Stell dir vor, du stehst am Steuer, der Wind pfeift leise, und du bist bereit, dein Wissen auf See anzuwenden. Wir werden nicht nur lernen, sondern auch verstehen, warum bestimmte Dinge so wichtig sind und wie sie sich in deinem Segelalltag anfühlen. Mach es dir bequem, schließe vielleicht die Augen und lass dich von den Wellen der Information tragen.

Die Augen und Ohren der Navigation: Von Seekarten bis zum digitalen Helfer

Stell dir vor, du planst deinen nächsten Törn entlang einer unbekannten Küste. Die Vorfreude ist groß, aber auch der Respekt vor dem Unbekannten. Was ist das erste, wonach du greifst? Richtig, deine Seekarten. Und hier kommt der erste wichtige Punkt: Wenn du eine Küste ansteuerst, wähle immer Seekarten mit dem größtmöglichen Maßstab. Warum, fragst du? Ganz einfach: Nur in diesen Detailkarten findest du wirklich alle wichtigen Schifffahrtszeichen, Untiefen, Fahrwasser und andere Informationen, die für deine sichere Navigation unerlässlich sind. Eine Übersichtskarte mag dir die grobe Richtung weisen, aber für die Annäherung an Land brauchst du die Lupe, das Detail, das dir nur ein großer Maßstab bieten kann.

Während du deine Karte studierst, fällt dir vielleicht ein kleines "P" neben einer Eintragung auf. Was hat es damit auf sich? Das sind sogenannte P-Nachrichten. Stell dir vor, sie sind wie ein vorläufiger Hinweis auf eine bevorstehende Veränderung, eine Baustelle auf See, wenn du so willst. Das BSH, die offizielle Stelle für Seekartenberichtigungen, nimmt diese P-Nachrichten nicht sofort in die gedruckten Karten auf, weil ihre Gültigkeit oft begrenzt ist, sie sind nur vorläufig (preliminary). Das bedeutet für dich: Du musst diese noch gültigen P-Nachrichten selbst in deine Seekarte eintragen oder zumindest vermerken, bevor du in See stichst. Sie könnten eine neue Tonne ankündigen oder eine temporäre Gefahrenstelle. Dein wachsames Auge ist hier gefragt.

Apropos Nachrichten: Woher bekommst du all diese wichtigen Informationen über Veränderungen auf See, über neue Tonnen, versandete Fahrwasser oder auch militärische Übungen? Die Nachrichten für Seefahrer, kurz NfS, sind dein offizielles Informationsblatt. Und weil die Seefahrt international ist, werden diese Nachrichten immer in zwei Sprachen verfasst: in Deutsch und in Englisch. So ist sichergestellt, dass jeder Seefahrer weltweit die Informationen verstehen kann.

Aber es gibt noch schnellere Kanäle für dringende Informationen. Denk an die Nautischen Warnnachrichten, die NWN. Diese werden von den Verkehrszentralen für ihren jeweiligen Bereich herausgegeben, und für das gesamte deutsche Warngebiet ist der ständig besetzte Seewarndienst Emden zuständig. Stell dir vor, ein plötzlich auftretendes Hindernis im Fahrwasser oder ein ausgefallenes Leuchtfeuer – solche Infos müssen sofort raus. Verbreitet werden diese NWN dann über Funk, und der Deutschlandfunk übernimmt die Ausstrahlung. Ein unsichtbares Netz, das dich schützt.

Während du navigierst, verlässt du dich natürlich auch auf deine Instrumente. Dein Log zum Beispiel misst deine Fahrt durchs Wasser. Aber ist das auch deine tatsächliche Geschwindigkeit über Grund? Nicht immer. Stell dir vor, du paddelst in einem Fluss. Du schlägst vielleicht kräftig zu und bewegst dich schnell durchs Wasser, aber wenn der Fluss eine starke Strömung gegen dich hat, kommst du über Grund kaum voran. Genauso ist es auf See. Dein Log liefert dir die "Fahrt durchs Wasser". Um die wahre "Fahrt über Grund" zu erfahren, musst du die Strömung – ihre Richtung und Geschwindigkeit – berücksichtigen. Das ist entscheidend für deine Koppelnavigation und die exakte Ankunftszeit.

Und dann ist da noch das GPS, dein unverzichtbarer digitaler Navigator. Es empfängt Signale von Satelliten, die dir deine Position auf wenige Meter genau anzeigen. Aber damit das GPS überhaupt arbeiten kann, braucht die Antenne freie Sicht zum Himmel. Stell dir vor, du hast sie unter Deck oder hinter einem großen Segel versteckt. Dann kann sie die Signale nicht empfangen. Ringsum freie Sicht ist das A und O. Und vergiss nicht eine einwandfreie Erdung, um Störungen zu vermeiden.

Manchmal, besonders in der Nähe anderer Schiffe oder in dicht befahrenen Gebieten, schaust du vielleicht auf dein Radar. Ein tolles Werkzeug, um andere Fahrzeuge oder Tonnen zu sehen, auch bei schlechter Sicht. Aber Radar ist nicht unfehlbar. Stell dir vor, es regnet in Strömen oder die Wellen sind hoch. Dann können kleine Ziele wie eine Boje oder ein kleines Fischerboot auf dem Radarschirm einfach "verschwinden". Auch eine falsche Bedienung, eine zu große Entfernung oder das Gieren deines eigenen Schiffes – also das leichte Schwanken um die Hochachse, besonders wenn das Radar auf "head up", also relativ voraus, eingestellt ist – kann dazu führen, dass wichtige Echos übersehen werden. Bleib wachsam und verlass dich nie blind auf ein einzelnes System.

Ein letzter wichtiger Punkt zur Navigation, besonders im Gezeitenrevier: die Kartennull. Stell dir vor, du siehst in deiner Seekarte eine Tiefenangabe von drei Metern. Bedeutet das, dass dort immer drei Meter Wasser sind? Nicht unbedingt. Kartennull ist die Bezugsfläche für alle Tiefenangaben in der Seekarte. Es ist ein bestimmter, niedriger Wasserstand, aber die tatsächlichen Wasserstände können davon erheblich abweichen. Starker Wind, der das Wasser in eine Bucht drückt oder abzieht, oder auch sehr hoher oder niedriger Luftdruck können dazu führen, dass das Hochwasser viel höher oder das Niedrigwasser viel niedriger ausfällt als in den Gezeitentafeln vorhergesagt. Auch die Zeiten für Hoch- und Niedrigwasser können sich verschieben. Sei dir dessen immer bewusst, besonders wenn du in flachen Gewässern unterwegs bist.

Seerecht: Die unsichtbaren Regeln auf See

Nachdem wir uns mit den Augen der Navigation vertraut gemacht haben, wenden wir uns nun den Regeln zu, die das Miteinander auf See bestimmen: dem Seerecht. Es ist wie die Straßenverkehrsordnung, nur eben für Schiffe.

Stell dir vor, es ist tiefe Nacht. Um dich herum sind nur die Lichter anderer Schiffe zu sehen. Plötzlich siehst du rot-weiß-rot senkrecht übereinander. Was bedeutet das? Das ist ein manövrierbehindertes Fahrzeug. Vielleicht ist es ein Baggerschiff, das ein Kabel verlegt, oder ein Schiff, das Vermessungsarbeiten durchführt. Diese Lichter zeigen an: Achtung, ich kann nicht so einfach ausweichen! Wenn dieses manövrierbehinderte Fahrzeug keine Fahrt durchs Wasser macht, siehst du nur diese drei Lichter. Fährt es aber, kommen noch die üblichen Lichter eines Maschinenfahrzeugs hinzu: Topplichter, Seitenlichter und das Hecklicht. Liegt es vor Anker, siehst du zusätzlich zu rot-weiß-rot noch die Ankerlichter. Diese Kennungen sind entscheidend, um die Absichten und Fähigkeiten anderer Schiffe richtig einzuschätzen.

Und wann genau müssen diese Lichter geführt werden? Die Regel ist klar: zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Aber Vorsicht: Wenn die Sicht vermindert ist, sei es durch Nebel, Regen oder starken Dunst, müssen die Lichter auch tagsüber, also zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, geführt werden. Sicherheit geht vor!

Stell dir vor, du segelst in dichtem Nebel. Dein Radar ist ausgefallen oder du hast gar keines. Was tust du? Als Segelfahrzeug ohne Radar musst du mit sicherer Geschwindigkeit fahren. Das bedeutet, so langsam, dass du jederzeit anhalten oder ausweichen kannst, wenn ein Hindernis auftaucht. Und hier kommt die gute Seemannschaft ins Spiel: Wenn du eine Maschine an Bord hast, halte sie bereit. Das bedeutet, sie muss startklar sein, damit du im Notfall schnell manövrieren kannst.

Die Kollisionsverhütungsregeln, kurz KVR, sind der Kern des Seerechts. Sie regeln das Verhalten bei Kollisionsgefahr. Aber das Seerecht ist keine starre Ansammlung von Paragraphen. Bei der Auslegung und Befolgung der KVR müssen immer alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes berücksichtigt werden. Stell dir vor, du bist das Kurshaltepflichtige Schiff, aber das ausweichpflichtige Schiff handelt nicht angemessen. Dann musst du unter Umständen sogar von deiner Kurshaltepflicht abweichen, um eine unmittelbare Gefahr abzuwenden. Das Seerecht verlangt von dir, mitzudenken und verantwortungsvoll zu handeln.

Wo gelten diese KVR eigentlich? Im gesamten Geltungsbereich der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, kurz SeeSchStrO, und zwar innerhalb und außerhalb der Fahrwasser. Es sei denn, die SeeSchStrO bestimmt ausdrücklich etwas anderes – zum Beispiel bei speziellen Vorfahrtsregeln in bestimmten Gebieten. Die KVR sind die grundlegenden Regeln, die SeeSchStrO kann sie in bestimmten Fällen ergänzen oder modifizieren.

Und ein ganz wichtiger Punkt, der deine eigene Sicherheit und die deiner Crew betrifft: Alkohol an Bord. Die SeeSchStrO ist hier eindeutig. Du darfst ein Fahrzeug nicht führen und auch nicht als Mitglied der Crew Brückendienst leisten, wenn du 0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft oder 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut hast. Das ist eine klare Grenze, die für alle auf See gilt, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Was ist eigentlich ein Seeunfall im Sinne des Seesicherheits-Untersuchungs-Gesetzes (SUG)? Das ist weit gefasst und umfasst nicht nur die offensichtlichen Katastrophen. Ein Schiffsverlust, ein Aufgrundlaufen, eine Kollision, der Tod oder das Verschwinden einer Person, schwere Verletzungen, ein maritimer Umweltschaden oder auch ein einfacher Sachschaden – all das kann ein Seeunfall sein. Auch die bloße Gefahr eines schweren Schadens für Menschen, Schiffe oder die Umwelt fällt darunter. Es geht darum, aus Vorkommnissen zu lernen und die Sicherheit auf See kontinuierlich zu verbessern.

Seemannschaft: Praktisches Wissen für alle Fälle

Jetzt verlassen wir den Bereich der Regeln und Gesetze und tauchen ein in die gute Seemannschaft – das praktische Wissen und die Fertigkeiten, die dich zu einem sicheren und kompetenten Skipper machen.

Stell dir vor, du näherst dich einem Hafen, aber draußen tobt ein auflandiger Starkwind. Die Wellen brechen sich imposant an der Küste. Das kann gefährlich werden. Warum? Weil sich bei auflandigem Starkwind tückische Grundseen oder Kreuzseen bilden können. Das sind Wellen, die sich über Untiefen aufsteilen und brechen oder die aus verschiedenen Richtungen kommen und ein chaotisches Wellenbild erzeugen. Dein Boot kann dabei unkontrollierbar werden. Hinzu kommt die Möglichkeit von Querströmungen, die dich in die falsche Richtung abdriften lassen können. In solchen Situationen ist größte Vorsicht geboten, und manchmal ist es besser, auf See zu bleiben und abzuwettern, als einen gefährlichen Hafenanlauf zu riskieren.

Was aber, wenn doch jemand über Bord geht? Ein Albtraum für jeden Skipper. Aber du bist vorbereitet. Das Erste, was du tun musst, ist den Bezugspunkt, das sogenannte Datum, für die Suche zu sichern. Wie? Ganz einfach: Wirf eine Markierungsblitzboje über Bord. Sie treibt mit dem Überbordgefallenen und erleichtert das Wiederfinden. Und nutze die MOB-Taste deines GPS-Gerätes. Ein Knopfdruck speichert die genaue Position des Unglücks und führt dich später dorthin zurück. Diese Sekunden entscheiden über Leben und Tod.

Ein Brand an Bord – eine weitere ernsthafte Gefahr. Wie bekämpfst du ihn wirksam? Stell dir vor, Rauch steigt auf. Sofort alle Öffnungen schließen, um die Sauerstoffzufuhr zu unterbrechen. Dann die Brennstoffzufuhr, meist über den Hauptschalter, unterbrechen. Den Feuerlöscher erst direkt am Brandherd betätigen, nicht schon auf dem Weg dorthin. Bekämpfe das Feuer von unten und von vorn, um die Flammen zurückzudrängen. Bei kleineren Bränden oder Personenbränden ist eine Löschdecke Gold wert. Und ganz wichtig: Flüssigkeitsbrände, also Brände von Öl oder Treibstoff, niemals mit Wasser bekämpfen! Das Wasser würde den Brand nur verteilen und verschlimmern. Hier kommen spezielle Schaum- oder Pulverlöscher zum Einsatz.

Warum sollten Vorsegel für schweres Wetter eigentlich hoch geschnitten sein? Stell dir vor, eine große Welle kommt über das Vorschiff. Wenn dein Vorsegel bis zur Reling reicht, schlägt die Welle mit voller Wucht ins Segel. Das belastet nicht nur das Segel selbst enorm, sondern das gesamte Rigg – Masten, Wanten, Stagen. Ein hoch geschnittenes Segel lässt die Welle darunter hindurchrauschen und schützt so Rigg und Segel vor unnötiger Belastung.

Nach einer Weile auf See, vielleicht bei kräftigem Wind, bemerkst du, wie dein Boot immer mehr krängt, also zur Seite neigt. Und du merkst, es wird luvgieriger, das Ruder muss immer stärker gegen den Wind gedrückt werden, um den Kurs zu halten. Das ist ein typischer Effekt. Mit zunehmender Krängung wandert der Segeldruckpunkt, also der Angriffspunkt der Windkraft am Segel, immer weiter nach Lee, also zur windabgewandten Seite. Gleichzeitig verschiebt sich der Lateralschwerpunkt, der Angriffspunkt der Widerstandskräfte im Wasser, weniger stark. Diese Verschiebung verursacht ein Drehmoment, das das Boot in den Wind drehen will – es wird luvgierig. Du musst gegensteuern, reffen, oder den Segeltrimm anpassen, um die Luvgierigkeit zu reduzieren.

Stell dir vor, du bist unter Maschine unterwegs, vielleicht durch eine enge Passage. Plötzlich steigt die Kühlwassertemperatur stark an. Dein Boot hat einen Saildrive-Antrieb. Was ist die typische Ursache, wenn keine technische Störung vorliegt? Meist sind es Fremdkörper: Plastiktüten, Folienstücke oder Pflanzenteile, die den Kühlwassereinlass verstopfen. Die Lösung ist oft erstaunlich einfach: Fahre mehrmals abwechselnd vor- und zurück. Durch das Umschalten der Fahrtrichtung werden die Fremdkörper oft vom Kühlwassereinlass gelöst, und die Kühlung funktioniert wieder.

Apropos Technik: Wie viel Strom brauchst du eigentlich an Bord? Nehmen wir an, du hast eine 12-Volt-Anlage und möchtest zwei Verbraucher, die jeweils 24 Watt Leistung haben, für 10 Stunden betreiben. Wie rechnest du das aus? Zuerst berechnest du den Strom, den ein einzelner Verbraucher zieht: Leistung geteilt durch Spannung, also 24 Watt geteilt durch 12 Volt ergibt 2 Ampere. Da du zwei solcher Verbraucher hast, sind das 2 mal 2 Ampere, also 4 Ampere. Und das für 10 Stunden. Macht 4 Ampere mal 10 Stunden, also 40 Amperestunden. So behältst du den Überblick über deinen Stromverbrauch und vermeidest leere Batterien.

Und ganz zum Schluss der Seemannschaft: Das Logbuch. Es ist dein Gedächtnis auf See. Was sollte da unbedingt drinstehen? Zuerst die Namen und Funktionen deiner Crewmitglieder – wer ist an Bord und welche Aufgaben hat jeder? Dann der Beginn und das Ende einer jeden Fahrt. Und während der Fahrt, in angemessenen Zeitabständen, dokumentierst du wichtige Daten: deine Position, den Kurs, die Geschwindigkeit, die Strömung, das Wetter und den Luftdruck. Das Logbuch ist nicht nur eine Aufzeichnung, es ist auch ein wichtiges Dokument für die spätere Analyse von Vorkommnissen und für die Planung zukünftiger Törns.

Wetterkunde: Die Sprache der Wolken und des Windes

Zum Abschluss unserer Reise werfen wir einen Blick in den Himmel und lauschen den Botschaften des Windes. Die Wetterkunde ist für jeden Segler überlebenswichtig.

Stell dir vor, du siehst am Horizont eine Front herannahen. Die Wolken verdichten sich. Was erwartet dich? Bei einer Warmfront siehst du typischerweise eine Sichtverschlechterung durch Niederschlag, der Himmel ist bedeckt und es gibt länger anhaltenden Regen. Du segelst quasi in den Regen hinein. Im Warmsektor, also dem Bereich zwischen Warm- und Kaltfront, ist es oft diesig oder die Sicht ist mäßig, die Wolken lockern sich vielleicht etwas auf, aber es gibt immer noch zeitweise Regen. Hast du die Kaltfront passiert, bessert sich die Sicht meist deutlich. Du hast gute Sicht, aber Achtung: Es können Schauer auftreten, oft begleitet von kräftigen Böen. Das ist das typische Wetterszenario, das du an einer Front erwarten kannst.

Wann werden eigentlich Starkwindwarnungen verbreitet? Diese Warnungen geben dir einen wichtigen Hinweis, wenn du mit Windstärken zwischen 6 und 7 Beaufort rechnen musst oder diese bereits herrschen. Im internationalen Sprachgebrauch wird das als "Near-gale warning" bezeichnet. Eine klare Warnung, die du ernst nehmen solltest.

Wenn du eine Wetterkarte studierst, siehst du Linien, die gleiche Luftdruckwerte miteinander verbinden. Das sind die Isobaren. Sie sind wie Höhenlinien auf einer Landkarte, nur eben für den Luftdruck. Und der Luftdruck wird in Hektopascal (hPa) angegeben, manchmal auch noch in Millibar (mb). Der Abstand der Isobaren gibt dir einen Hinweis auf die Windstärke: je enger sie beieinander liegen, desto stärker der Wind.

Stell dir vor, du befindest dich auf der Nordhalbkugel und ein markanter Trog zieht über dich hinweg. Ein Trog ist ein langgestrecktes Tiefdruckgebiet. Was passiert mit dem Wind? Typischerweise dreht der Wind stark nach rechts, oft um 60 bis 90 Grad. Und ganz wichtig: Auf der Rückseite eines Troges können Winde bis zu Orkanstärke auftreten. Das ist ein gefährliches Phänomen, das du unbedingt auf dem Radar haben solltest.

Und zum Schluss: Kaltwassernebel. Stell dir vor, es ist Frühjahr, die Sonne hat das Land schon erwärmt, aber das Meerwasser ist noch eiskalt. Dann kann es zu Kaltwassernebel kommen. Warme und feuchte Luftmassen, die über das kalte Meer strömen, werden von unten abgekühlt, bis sie den Taupunkt erreichen. Die Feuchtigkeit kondensiert, und es entsteht Nebel. In europäischen Gewässern tritt diese Nebelart bevorzugt im Frühjahr auf, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Land und Meer noch sehr groß sind.

Der Anker: Dein treuer Halt

Bevor wir diesen Törn beenden, noch ein kurzer, aber wichtiger Gedanke zur Seemannschaft: der Anker. Dein treuer Halt in der Bucht. Stell dir vor, du willst ankern und wirfst einfach Anker und Leine gleichzeitig über Bord. Das ist ein Fehler. Warum? Die Leine könnte sich mit dem Anker vertörnen, sich also um ihn wickeln. Wenn der Anker dann auf den Grund sinkt, kann er sich durch die vertörnte Leine nicht richtig eingraben und hält nicht. Immer erst den Anker fallen lassen und dann kontrolliert die Leine oder Kette nachschießen, damit er sich sauber legen und eingraben kann.

Fazit: Wissen ist dein bester Anker

Wir haben heute einen weiten Bogen geschlagen, von den detaillierten Seekarten über die Lichter der Nacht bis zu den Geheimnissen des Wetters. Jedes dieser Themen ist ein Puzzleteil, das sich zu einem Gesamtbild formt: dem Bild eines sicheren und verantwortungsvollen Skippers.

Denke daran: Die Navigation ist dein Auge, das Seerecht dein Kompass für das Miteinander, die Seemannschaft deine Hände und Füße, und die Wetterkunde deine Ohren, die dir die Sprache der Natur übersetzen. All dieses Wissen macht dich nicht nur prüfungssicher, sondern vor allem sicher auf See. Übe es, verinnerliche es und bleibe immer neugierig. Die See birgt immer neue Lektionen.

Ich hoffe, diese Reise hat dir gefallen und dein Wissen bereichert. Bleib dran, denn es gibt noch so viel zu entdecken. Bis zum nächsten Mal und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Übungsfragen zu diesem Bogen

30 Fragen aus Navigation, Schifffahrtsrecht, Seemannschaft und Wetterkunde

Kurzantwort
deutsch und englisch
Musterantwort
Die Angaben erfolgen in deutscher und in englischer Sprache.
Kurzantwort
- Verkehrszentralen und Seewarndienst Emden. - Deutschlandfunk verbreitet NWN über Funk.
Musterantwort
Nautische Warnnachrichten (NWN) werden von den Verkehrszentralen für deren Zuständigkeitsbereich und von dem ständig besetzten Seewarndienst Emden für das gesamte deutsche Warngebiet zur Verbreitung über Funk herausgegeben. Der Rundfunksender Deutschlandfunk verbreitet alle über Funk abgegebenen NWN.
Kurzantwort
1: Ankündigung bevorstehender Maßnahmen. 2: Keine Berichtigung durch BSH wegen kurzer Geltungsdauer. Gültige P-Nachrichten müssen in der Karte vermerkt werden.
Musterantwort
P-Nachrichten sind solche, die eine bevorstehende (preliminary) Maßnahme ankündigen. Wegen der begrenzten Geltungsdauer werden keine Berichtigungen auf der Grundlage von P-Nachrichten vom BSH bzw. von amtlichen Seekartenberichtigungsstellen durchgeführt. Deshalb müssen vor Gebrauch jeder Seekarte die noch gültigen P-Nachrichten erfasst und in der Karte vermerkt werden.
Kurzantwort
Seekarten mit größtmöglichem Maßstab verwenden, da diese Navigations-Details enthalten.
Musterantwort
Seekarten mit größtmöglichem Maßstab verwenden. Nur in diesen Karten sind alle Schifffahrtszeichen und weitere für die Navigation wichtigen Informationen eingetragen.
Kurzantwort
Loggen liefern "Fahrt durchs Wasser (FdW)" Stromrichtung und -geschwindigkeit muß berücksichtigt werden für "Fahrt über Grund (FüG)".
Musterantwort
Die üblichen Logmethoden liefern ausschließlich die "Fahrt durchs Wasser ( FdW )". Um die "Fahrt über Grund ( FüG )" zu ermitteln, müssen Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit berücksichtigt werden.
Kurzantwort
durch Wind, Luftdruck sind höhere oder niedrigere Wasserstände als erwartet
Musterantwort
Durch Wind und/oder durch sehr hohen bzw. sehr niedrigen Luftdruck können erhebliche Wasserstandsänderungen entstehen. HWH bzw. NWH können höher oder niedriger sein als angegeben, die Hoch- und Niedrigwasserzeit kann füher oder später eintreten als angegeben.
Kurzantwort
Bezugsfläche für die Tiefenangaben [in einer Seekarte]
Musterantwort
Kartennull (KN) ist die Bezugsfläche für die Tiefenangaben in einer Seekarte.
Kurzantwort
ringsum freie Sicht, einwandfreie Erdung
Musterantwort
Sie muss ringsum freie Sicht (ohne Abschattungen) haben. Einwandfreie Erdung.
Kurzantwort
Seegang, Niederschlag, falsche Bedienung, große Entfernung, Gieren des eigenen Fahrzeugs.
Musterantwort
Durch Seegang und/oder Niederschlag, durch falsche Bedienung, durch zu große Entfernung, durch Gieren des eigenen Fahrzeugs bei relativ vorausorientierter Radarstellung ( head up ).
Kurzantwort
Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie Behinderungen betroffener Fahrzeuge müssen berücksichtigt werden. Abweichen von Regeln möglich, z. B. bei unmittelbarer Gefahr.
Musterantwort
Bei der Auslegung und Befolgung der KVR sind stets alle Gefahren der Schifffahrt und des Zusammenstoßes sowie alle besonderen Umstände einschließlich Behinderungen der betroffenen Fahrzeuge gebührend zu berücksichtigen, die zum Abwenden unmittelbarer Gefahr ggf. auch ein Abweichen von diesen Regeln erfordern können ( z. B. Abweichen von der Kurshaltepflicht, wenn der Ausweichpflichtige nicht angemessen handelt).
Kurzantwort
1: rot-weiß-rot, 2: rot-weiß-rot + Maschinenlichter, 3: rot-weiß-rot + Ankerlicht
Musterantwort
Ohne FdW: rot-weiß-rot senkrecht übereinander. Mit FdW: rot-weiß-rot senkrecht übereinander und Lichter eines Maschinenfahrzeugs (Topplicht[er]), Seitenlichter, Hecklicht. Vor Anker: rot-weiß-rot senkrecht übereinander und Ankerlicht(er).
Kurzantwort
Zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Bei verminderter Sicht auch tagsüber.
Musterantwort
Die Lichter müssen geführt werden zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, bei verminderter Sicht auch zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.
Kurzantwort
Segelfahrzeuge müssen mit sicherer Geschwindigkeit fahren und die Maschine bereithalten.
Musterantwort
Segelfahrzeuge müssen mit sicherer Geschwindigkeit fahren, die den gegebenen Umständen und Bedingungen der verminderten Sicht angepasst ist. Bei Segelfahrzeugen, die eine Maschine an Bord haben, gehört das Bereithalten der Maschine zu den Regeln guter Seemannschaft.
Kurzantwort
Die KVR gelten im gesamten Geltungsbereich der SeeSchStrO,es sei denn die SeeSchStrO bestimmt ausdrücklich etwas anderes.
Musterantwort
Die KVR gelten im gesamten Geltungsbereich der SeeSchStrO innerhalb und außerhalb der Fahrwasser, soweit die SeeSchStrO nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt (z. B. Vorfahrt, Grundsatz des Vorranges der spezielleren Rechtsvorschrift vor der allgemeineren).
Kurzantwort
0,5 Promille
Musterantwort
0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft oder 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut oder eine Alkoholmenge, die zu einer solchen Atem- oder Blutalkoholkonzentration führt.
Kurzantwort
Schiffsverlust durch Aufgrundlaufen, Kollision oder schwere Verletzung, Tod oder Verschollenheit von Personen, Umweltschäden, Sachschäden, Gefahr für Menschen, Schiffe oder Umwelt.
Musterantwort
Schiffsverlust, Aufgrundlaufen, Kollision eines Schiffes, Tod oder Verschollenheit oder schwere Verletzung einer Person, maritimer Umweltschaden oder sonstiger Sachschaden, Gefahr für einen Menschen oder ein Schiff, Gefahr eines schweren Schadens an einem Schiff, einem meerestechnischen Bauwerk oder an der Meeresumwelt.
Kurzantwort
Isobaren, Hektopascal
Musterantwort
Isobaren. Hektopascal ( hPa ) oder vereinzelt auch noch Millibar ( mb , teilweise auch mbar ).
Kurzantwort
Antwort 1: Sichtverschlechterung, andauernder Regen Antwort 2: Diesig/mäßige Sicht, Wolkenauflockerung, zeitweise Regen. Antwort 3: Sichtbesserung, gute Sicht, Schauer mit kräftigen Böen.
Musterantwort
Sichtverschlechterung durch Niederschlag, bedeckt, länger andauernder Regen. Diesig oder mäßige Sicht, Wolkenauflockerung, zeitweise Regen Sichtbesserung, meist gute Sicht. Schauer mit zum Teil kräftigen Böen.
Kurzantwort
1. Bei Windstärken 6-7 Beaufort 2. Near-gale warning
Musterantwort
Bei erwarteten oder noch andauernden Windstärken zwischen 6 und 7 Bft. Near-gale warning.
Kurzantwort
Der Wind dreht recht, meist über 60 bis 90°. Auf der Rückseite des Troges können Winde bis Orkanstärken auftreten.
Musterantwort
Der Wind dreht recht, meist über 60 bis 90°. Winde bis Orkanstärke besonders auf der Rückseite eines Troges.
Kurzantwort
1. durch Abkühlung warmer und feuchter Luftmassen über kaltem Untergrund. 2. Überwiegend im Frühjahr.
Musterantwort
Warme und feuchte Luftmassen werden durch den kalten Untergrund (Meer) unter den Taupunkt abgekühlt. Überwiegend im Frühjahr.
Kurzantwort
Schutz vor überkommenden Seen Vermeidung von Belastung von Rigg und Segel
Musterantwort
Damit überkommende Seen nicht ins Segel schlagen und so Rigg und Segel belasten.
Kurzantwort
Luvgierigkeit nimmt zu Segeldruckpunkt wandert nach Lee aus
Musterantwort
Die Luvgierigkeit nimmt zu, weil der Segeldruckpunkt nach Lee auswandert.
Kurzantwort
Fremdkörper blockieren Kühlwassereinlass. Durch Hin- und Herfahren lösen.
Musterantwort
Fremdkörper (Folienstücke, Plastiktüten, Pflanzenteile o. Ä.) haben den Kühlwassereinlass verstopft. Mehrmals abwechselnd vor- und zurückfahren, sodass sich die Fremdkörper vom Kühlwassereinlass lösen.
Kurzantwort
Strom je Verbraucher: 24W : 12V = 2A. Gesamt: 2A * 2 Verbraucher * 10h = 40Ah
Musterantwort
Benötigte Strommenge je Verbraucher: 24 : 12 = 2 Ampere mal Anzahl der Verbraucher mal Stunden ergibt: 2 x 2 A x 10 h = 40 Ah.
Kurzantwort
Namen und Funktionen der Crewmitglieder(Besatzungsliste), Beginn und Ende einer Fahrt In angemessenen Abständen: Position, Kurs, Geschwindigkeit, Strömung, Wetter, Luftdruck.
Musterantwort
Namen und Funktionen der Crewmitglieder, Beginn und Ende einer Fahrt und in angemessenen Zeitabständen: Position, Kurs, Geschwindigkeit, Strömung, Wetter, Luftdruck.
Kurzantwort
Gefahr durch Grundseen bzw. Kreuzseen. Möglichkeit von Querstrom.
Musterantwort
Gefahr durch Grundseen bzw. Kreuzseen. Möglichkeit von Querstrom.
Kurzantwort
Markierungsblitzboje, MOB-Taste eines satellitengestützten Navigationsgerätes.
Musterantwort
Markierungsblitzboje, MOB-Taste eines satellitengestützten Navigationsgerätes (z. B. GPS ).
Kurzantwort
Öffnungen schließen Brennstoffzufuhr unterbrechen Feuerlöscher am Brandherd betätigen Feuer von unten und vorn bekämpfen Löschdecke einsetzen Flüssigkeitsbrände nicht mit Wasser löschen
Musterantwort
Alle Öffnungen schließen, Brennstoffzufuhr (Hauptschalter) unterbrechen, Feuerlöscher erst am Brandherd betätigen, Feuer von unten und von vorn bekämpfen, Löschdecke einsetzen, Flüssigkeitsbrände nicht mit Wasser bekämpfen.
Kurzantwort
Die Leine könnte das Eingraben des Ankers verhindern.
Musterantwort
Die Leine könnte mit dem Anker vertörnen und dadurch das Eingraben des Ankers verhindern. Der Anker würde dann nicht halten.
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